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Nach einem kurzen Moment der Erleichterung erreichten sie eine kleine Lichtung innerhalb der Höhle. Hier ruhten sie sich kurz aus, bevor sie weiter in die Dunkelheit vordrangen. Die schattenhaften Umrisse der Höhlenwände schienen sich um sie zu schließen, und die bedrückende Stille war nahezu unerträglich. [[Maggie O'Connel|Maggie]] lehnte sich gegen eine kalte Wand, die noch immer den Geruch von Verwesung in sich trug. „Wir müssen weiter, wir dürfen nicht aufgeben“, sagte [[der Blonde|Ezekiel]], dessen Gesicht vor Anstrengung und Angst blass war. | Nach einem kurzen Moment der Erleichterung erreichten sie eine kleine Lichtung innerhalb der Höhle. Hier ruhten sie sich kurz aus, bevor sie weiter in die Dunkelheit vordrangen. | ||
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Die schattenhaften Umrisse der Höhlenwände schienen sich um sie zu schließen, und die bedrückende Stille war nahezu unerträglich. [[Maggie O'Connel|Maggie]] lehnte sich gegen eine kalte Wand, die noch immer den Geruch von Verwesung in sich trug. „Wir müssen weiter, wir dürfen nicht aufgeben“, sagte [[der Blonde|Ezekiel]], dessen Gesicht vor Anstrengung und Angst blass war. | |||
Sie gingen weiter, bis sie auf eine verdrehte Leiche stießen, die reglos auf dem Boden lag. [[Maggie O'Connel|Maggie]] kniete sich nieder, und ihre Hand zitterte, als sie die verwesenden Überreste berührte. „Bitte, sei nicht Michael“, flüsterte sie, während ihr Herz schwer in ihrer Brust schlug. Doch der Anblick war erbarmungslos, und sie mussten weiter. Plötzlich öffneten sich Risse im Boden, aus denen dunkler, roter Rauch aufstieg, der wie ein lebendiges Wesen durch die Höhle waberte. | Sie gingen weiter, bis sie auf eine verdrehte Leiche stießen, die reglos auf dem Boden lag. [[Maggie O'Connel|Maggie]] kniete sich nieder, und ihre Hand zitterte, als sie die verwesenden Überreste berührte. „Bitte, sei nicht Michael“, flüsterte sie, während ihr Herz schwer in ihrer Brust schlug. Doch der Anblick war erbarmungslos, und sie mussten weiter. Plötzlich öffneten sich Risse im Boden, aus denen dunkler, roter Rauch aufstieg, der wie ein lebendiges Wesen durch die Höhle waberte. | ||
Version vom 30. April 2025, 12:22 Uhr

Larberg's Landing
Eine heruntergekommene, kleine Siedlung direkt am Ufer des Piechotta River. Schon von weitem lässt euch der Anblick der vereinzelten, verwahrlosten Häuser daran zweifeln, ob es sich gelohnt hat, hierher zu reisen. Die Kirche sticht als einziges Gebäude etwas heraus, der Rest der Häuser erinnert eher an eine Bretterbude, welche von ungeübten Händen zusammengezimmert wurde, als an eine auf Dauer errichtete Siedlung.
Kirche von Larberg’s Landing
Die kleine Kapelle in Larberg's Landing ist ein eigenartiger Ort. Die verstaubten Holzbänke und das schummrige Licht, das durch die verblassten Buntglasfenster fällt, schaffen eine bedrückende, fast unheilige Atmosphäre. Der Priester, der die Kirche leitet, ist ein bekanntes Gesicht im Dorf, jedoch weniger für seine Predigten als für seinen Hang zum Alkohol. Oft riecht es in der Kirche stärker nach Whiskey als nach Weihrauch, und der Priester ist häufiger im Saloon anzutreffen als auf der Kanzel. Er ist ein Mann, der mit inneren Dämonen zu kämpfen scheint, und seine Predigten werden selten von einem nüchternen Blick begleitet. Die Dorfbewohner tuscheln über ihn, und manche meiden die Kirche gänzlich – überzeugt, dass der Priester das Heilige längst aufgegeben hat.
Saloon
„Der Staubige Mond“ ist der einzige Saloon im Dorf und wird von Old Milbert Williams geführt. Milbert ist eine schroffe, aber charismatische Persönlichkeit, die die Geschichten des Dorfes kennt wie kein anderer. Der Saloon ist einfach eingerichtet, mit schwerem, abgenutztem Holzmobiliar und einem langen Tresen, der von Milbert selbst gebaut wurde. Die wenigen Lampen an den Wänden werfen ein schwaches, schummeriges Licht, das den Raum in geheimnisvolle Schatten taucht. Old Milbert erzählt oft Geschichten von seltsamen Besuchern und unerklärlichen Vorfällen, die hier im Saloon passiert sein sollen – Geschichten, die die Gäste meist mit einem Schaudern und einem kräftigen Schluck Whiskey verarbeiten.
Hotel
Das kleine Hotel steht etwas abseits der Hauptstraße und bietet Reisenden einen bescheidenen Unterschlupf. Es ist eines der ältesten Gebäude im Dorf, und seine einst prachtvolle Fassade ist inzwischen verblasst und verwittert. Die Zimmer sind eng und schlicht, mit Betten, die schon bessere Zeiten gesehen haben, und einem minimalen Mobiliar. Der Besitzer ist kaum anzutreffen, und die wenigen Angestellten wirken, als seien sie Teil des Gebäudes selbst – still und geheimnisvoll. In den Nächten hört man gelegentlich leise Schritte und Flüstern, doch niemand scheint sich zu diesen Geräuschen zu bekennen. Gäste, die hier übernachten, sprechen oft davon, dass ihnen ein Gefühl von ständiger Beobachtung den Schlaf raubt.
Akt 1: Der Dämon von Larberg's Landing
Die Schatten von Larberg's Landing
Als Maggie und Ezekiel am Horizont die heruntergekommene Siedlung Larberg's Landing erblickten, hatten sie nicht mit dem Anblick gerechnet, der sie erwartete. Statt einer verschlafenen, trägen Ortschaft am Ufer des Piechotta River fanden sie eine Gemeinde in heller Aufregung vor.
Der heiße Wind trug den bitteren Geschmack von Staub und Verzweiflung mit sich, als sie auf ihren Pferden durch das verfallene Tor ritten. Die verwahrlosten Gebäude wirkten wie Gespenster unter dem grauen Himmel. Nur die Kirche stach als einziges ansehnliches Bauwerk hervor, während der Rest der Häuser wenig mehr als notdürftig zusammengezimmerte Bretterbuden waren.
Kaum hatten sie den Hauptweg betreten, kamen ihnen die hinterwäldlerisch wirkenden Einwohner panisch entgegengelaufen. Die meisten trugen die Spuren eines harten Lebens in ihren Gesichtern - von Sonne und Arbeit gezeichnet, verwahrlost und ängstlich. Von Körperpflege oder sauberer Kleidung schien hier niemand etwas gehört zu haben. Die ganze verdammte Stadt stank nach Schweiß und fauligen Eiern.
Ein alter Mann mit lumpiger, stinkender Kleidung drängte sich durch die aufgebrachte Menge nach vorne. Er stellte sich als "Old Milbert Williams", der Wirt des örtlichen Saloons, vor. Als er zu sprechen begann, stieß er zwischen seinen vereinzelten, gelben Zähnen einen fauligen Atem aus.
"Ihr seid gerade rechtzeitig gekommen," keuchte er, die Angst deutlich in seinen Augen. "Ein riesiger, schwerfälliger Dämon ist letzte Nacht aus den nahegelegenen Höhlen gekommen und hat einen Mann namens Michael, den Besitzer des einzigen Geschäfts in Larberg's Landing, in die Hügel verschleppt."
Maggie warf Ezekiel einen entschlossenen Blick zu. Die Verzweiflung in den Augen der Dorfbewohner war unverkennbar. Sie flehten in ihrer einfältigen, hinterwäldlerischen Art um Hilfe, da niemand von ihnen in der körperlichen Verfassung war oder den Mut besitzte, es mit dem Dämonen aufzunehmen.
"Der Sheriff hat versucht, die Kreatur aufzuhalten," fuhr Old Milbert fort, seine Stimme zitterte. "Wir haben seine völlig zerschmetterte und verdrehte Leiche in den frühen Morgenstunden nahe der Höhle gefunden."
"Wir werden helfen," verkündete Maggie entschlossen, den Griff ihres Säbels fester in der Hand. Ezekiel nickte und prüfte seine Revolver. Der Weg in die Dunkelheit begann hier - und er versprach nichts weniger als Blut und Schrecken.
Nach Milberts erschütterndem Bericht führte der alte Wirt Maggie und Ezekiel zu seinem Saloon, "Der Staubige Mond", dem einzigen in der kleinen Siedlung. Sie brauchten mehr Informationen, bevor sie sich in die Gefahr begaben.
"Es passiert nicht zum ersten Mal", sagte Milbert leise, während er ihnen einen Whiskey einschenkte, den sie dringend brauchten. "Seltsame Dinge geschehen in den Hügeln. Leute verschwinden. Aber nie hat jemand etwas so... Großes gesehen. Ein Dämon, sag ich euch. Mit eigenen Augen haben's einige gesehen."
Ezekiel nahm einen tiefen Schluck. "Und dieser Michael? Was wisst Ihr über ihn?"
Milbert zuckte mit den Schultern. "Ein seltsamer Kauz. Hat den Laden hier seit Jahren. Manchmal verschwindet er für Wochen, kommt zurück mit seltsamen Dingen für seinen Laden. Aber er zahlt seine Schulden und hält sich aus Ärger raus. Mehr als man von vielen hier sagen kann." Er senkte die Stimme. "Hatte immer einen seltsamen Akzent. Manche sagen, er kommt aus Mexiko."
Maggie und Ezekiel tauschten vielsagende Blicke aus. Sie tranken ihre Gläser leer und erhoben sich.
"Wir werden ihn finden", sagte Ezekiel entschlossen. "Oder was auch immer von ihm übrig ist."
In die Hügel der Angst
Maggie und Ezekiel ritten entschlossen durch die staubigen Straßen von Larberg’s Landing, vorbei an den verängstigten und misstrauischen Blicken der Einheimischen. Die sengende Hitze der Wüste brannte auf ihrer Haut, während sie auf ihre Pferde stiegen und in Richtung der Hügel galoppierten, die die gefürchtete Höhle beherbergten.
Die Reise von Larberg’s Landing in die Hügel war beschwerlich und unheimlich. Der heiße Wind wehte unbarmherzig über die karge Landschaft, während Maggie und Ezekiel auf ihren Pferden in die unbekannte Dunkelheit ritten. Mit jedem Schritt, den sie in die unberührte Wildnis wagten, schien der Himmel über ihnen düsterer zu werden, als ob selbst die Wolken sich vor dem Grauen fürchteten, das sie suchten.
Der Pfad war schmal und von starren, schroffen Felsen gesäumt. Scharfe Steine stachen durch die schützenden Hufe der Pferde und ließen sie unruhig werden. Der Geruch von verdorrtem Gras und fauligem Holz lag schwer in der Luft, und das entfernte Geräusch des Piechotta Rivers schien wie ein geheimes Flüstern, das vor den Schrecken warnte, die sie erahnten.
Als sie tiefer in die Hügel vordrangen, bemerkten sie die blutigen Spuren auf dem Boden. Rote Tropfen, die sich mit dem Staub vermischten, führten weiter in die dunklen Tiefen der Hügel, während eine schleichende Kälte um sie herum einbrach. Die Schleifspur, die in die Erde gegraben war, erzählte von einem verzweifelten Kampf, von Angst und Grauen, und die beiden spürten, wie die Atmosphäre um sie herum sich veränderte.
„Wir müssen uns beeilen!“ drängte Ezekiel, dessen Stimme vor Anspannung zitterte. Maggie nickte stumm, das mulmige Gefühl in ihrem Bauch wurde stärker. Sie drängten ihre Pferde schneller, das Klappern der Hufe auf dem steinigen Boden hallte wie ein unheilvolles Echo wider.
Die Stille der Untoten
Die Luft wurde kühler und die Wolken verdichteten sich über ihnen, als sie in die Höhle eintraten. Der Eingang war düster und einladend zugleich, als ob er sie in ein Reich der Schatten führen wollte.
Es war ein düsteres, klaffendes Loch im felsigen Abgrund, das wie das Maul eines hungrigen Tieres wirkte. Ezekiel zog seine Laterne hervor und entzündete sie mit einem Streichholz. Der warme Schein des Lichts tanzte über die feuchten Wände. Der kalte, feuchte Luftzug, der ihnen entgegenströmte, fühlte sich an wie das Atmen eines schlafenden Monsters. Ezekiel berührte die Felswände, die sich feucht und rutschig anfühlten, und er stellte erschrocken fest, dass sie blutverschmiert waren.
„Das kann nicht sein“, murmelte er, während er versuchte, das Blut an seiner Kleidung abzuwischen. Doch in dem Moment, in dem er seinen Arm hob, begannen die Wände zu brechen und zu knacken. Ein leises, furchtbares Stöhnen war zu hören, und plötzlich brachen Knochen und Erde aus der Wand hervor. Stützpfeiler knickten ein und herabfallende Felsen verletzten sie leicht, ein grausamer Vorbote dessen, was noch kommen sollte.
Ein unheimliches Gefühl überkam die beiden, als sie bemerkten, dass die Luft um sie herum plötzlich sehr kalt wurde, während ein Flüstern durch die Höhle wehte, das wie Stimmen klang. Plötzlich erhoben sich aus dem Boden die Überreste von längst vergessenen Seelen, und Untote krochen aus den Wänden hervor. Ihre verrotteten Körper waren eine groteske Vorstellung, ihre leeren Augen starrten die beiden mit einem hungrigen Blick an.
Maggie erschauderte und der kalte Schweiß trat ihr auf die Stirn. Die Laterne, die sie mitführten, begann zu flackern, und das Licht wurde schwächer, bis es fast erlosch. Plötzlich hüllte die Dunkelheit sie ein wie ein schwerer Vorhang.
„Ezekiel!“ rief Maggie, während die Panik in ihrer Stimme aufstieg. Ezekiel hastete in seiner Tasche nach Streichhölzern, seine Hände zitterten vor Angst. Als er endlich eine Flamme entzündete und die Laterne wieder erleuchtet wurde, waren die Untoten verschwunden, doch die schrecklichen Bilder der Nacht waren in ihren Köpfen eingraviert. Sie waren allein, umgeben von der Dunkelheit, die auf sie lauerte, und sie wussten, dass das wahre Grauen erst begonnen hatte.
Der Dämon erwacht
Nach einem kurzen Moment der Erleichterung erreichten sie eine kleine Lichtung innerhalb der Höhle. Hier ruhten sie sich kurz aus, bevor sie weiter in die Dunkelheit vordrangen.

Die schattenhaften Umrisse der Höhlenwände schienen sich um sie zu schließen, und die bedrückende Stille war nahezu unerträglich. Maggie lehnte sich gegen eine kalte Wand, die noch immer den Geruch von Verwesung in sich trug. „Wir müssen weiter, wir dürfen nicht aufgeben“, sagte Ezekiel, dessen Gesicht vor Anstrengung und Angst blass war.
Sie gingen weiter, bis sie auf eine verdrehte Leiche stießen, die reglos auf dem Boden lag. Maggie kniete sich nieder, und ihre Hand zitterte, als sie die verwesenden Überreste berührte. „Bitte, sei nicht Michael“, flüsterte sie, während ihr Herz schwer in ihrer Brust schlug. Doch der Anblick war erbarmungslos, und sie mussten weiter. Plötzlich öffneten sich Risse im Boden, aus denen dunkler, roter Rauch aufstieg, der wie ein lebendiges Wesen durch die Höhle waberte.
Sechs groteske Kreaturen, die wie lebende Albträume aussahen, stiegen aus den Schatten empor. Ihre Tentakel schienen in der Luft zu tanzen, während sie sich drohend auf die beiden Abenteurer zubewegten. Der große Dämon, schwerfällig und bedrohlich, stand im Hintergrund und beobachtete sie mit seinen glühenden Augen. Maggie spürte, wie ihre Knie weich wurden, doch sie musste kämpfen.
Die Kreaturen griffen an, ihre glitschigen Tentakel zischten durch die Luft und erwischten Maggie an der Schulter. Schmerz durchfuhr sie, doch sie ließ sich nicht entmutigen. Mit einem raschen Schnitt ihres Säbels gelang es ihr, den Tentakel abzuschneiden. Ezekiel feuerte schnell, seine Pistole dröhnte in der Höhle und zerriss die Stille.
„Bleib hinter mir!“, rief Ezekiel, während er in den Schatten der Höhle feuerte. Die niederen Dämonen kamen in Wellen, doch Maggie und Ezekiel kämpften tapfer. Gemeinsam schnitt sie durch die Tentakel und schoss mit unermüdlicher Entschlossenheit. Der große Dämon beobachtete sie weiterhin, und es war fast so, als würde er sie auf die Probe stellen, ihre Stärke und ihren Mut testen.
Als die letzten niederen Dämonen gefallen waren, hatten sie für einen Moment Ruhe. Maggie und Ezekiel keuchten und wischten sich den Schweiß von der Stirn. Doch der große Dämon war noch immer da, schien sich in den Schatten zu verbergen, und sie wussten, dass der Kampf noch nicht vorbei war.
Die Dunkelheit schien sich um ihn zu winden wie ein lebendiger Schleier, und seine Augen leuchteten rot vor Zorn und Wut. Maggie und Ezekiel fühlten, wie ihre Herzen schneller schlugen.
„Er kommt aus dem Schatten!“, rief Ezekiel und zog seine Pistole, während er sich in Position brachte. Maggie griff nach ihrem Säbel, der in ihren Händen vertraut und gleichzeitig furchteinflößend war. Die schattenhaften Umrisse des Dämons wurden von einer unheimlichen Aura umgeben, die die Luft um sie herum elektrisierte.
Der Dämon schien sie für einen Moment zu prüfen, als würde er ihre Entschlossenheit abwägen. Dann, ohne Vorwarnung, stürmte er vorwärts, seine massiven Hände hoben sich, als wollte er die beiden zerquetschen. Maggie spürte die Erde unter sich erbeben, und ihr Instinkt befahl ihr, aus dem Weg zu springen. Sie rollte zur Seite, während Ezekiel schoss, die Kugeln prallten jedoch nur gegen die dicke Haut des Dämons und hinterließen nur flüchtige Einschläge. „Ziel auf den Kopf!“, rief Maggie, als sie sich wieder erhob. Der große Dämon brüllte, und der Klang war wie das Zerspringen von Glas, das in der Nacht verhallt. Er wandte sich Ezekiel zu, der in einem verzweifelten Versuch, den Angriff abzuwehren, in Deckung ging. Maggie nutzte den Moment, um sich dem Dämon zu nähern. Sie schwang ihren Säbel mit aller Kraft, und der Stahl schnitt durch die Luft. Er wich aus, und der Säbel ritzte nur seine Schulter. Die Wunde schien ihn nicht weiter zu interessieren, als er zu einem Handrückenschlag ansetzte.
Der Schlag war heftig und traf Maggie mit einer Wucht, die sie gegen die Wand schleuderte. Ihr Atem stockte, als sie den Aufprall spürte, doch sie wusste, dass sie nicht aufgeben durfte. Der Dämon wandte sich wieder Ezekiel zu, dessen Munitionsvorrat gefährlich schwand. Verzweifelt feuerte er weiter, und die Schüsse hallten durch die Höhle, während er die Bewegungen des Dämons studierte.
Maggie rappelte sich auf, Blut lief ihr über das Gesicht, aber der Schmerz erinnerte sie daran, dass sie leben musste. „Wir müssen zusammenarbeiten!“, rief sie und stürmte wieder auf den Dämon zu. Ezekiel nickte, während er einen weiteren Schuss abfeuerte. Der große Dämon schien für einen Moment überrascht von ihrer Entschlossenheit. Er riss seine massiven Arme in die Luft und schickte einen Schauer der Angst durch die Höhle. Die Dunkelheit schien sich um ihn zu verdichten, als wollte er die gesamte Umgebung in den Wahnsinn ziehen.
Maggie warf ihren Säbel in die Luft, sprang und fängte ihn mit einer präzisen Bewegung. Mit einem Kampfschrei stürzte sie sich erneut auf den Dämon. „Jetzt!“, rief sie zu Ezekiel, der sich hinter einer Deckung vorbereitete, um den perfekten Schuss abzugeben.
Der Dämon wandte sich Maggie zu, und in diesem Augenblick feuerte Ezekiel, die Kugel durchbrach die Dunkelheit und traf den Dämon direkt im Kopf. Ein unheilvolles Brüllen erfüllte die Höhle, als die Kreatur zurücktaumelte, die Augen verdrehten sich vor Schmerz und Wut.
Maggie nutzte die Gelegenheit und stach mit ihrem Säbel zu, doch der Dämon war schneller als erwartet. Mit einem raschen Hieb seiner Hand warf er sie gegen die Wand. Die Dunkelheit pulsierte um ihn herum, und der Kampf schien verloren. Doch Ezekiel war fest entschlossen, nicht aufzugeben. Er zielte erneut und feuerte eine letzte Runde ab, die den Dämon abermals traf.
Mit einem letzten verzweifelten Aufschrei verschwand der Dämon in den Schatten der Höhle, aber Maggie und Ezekiel wussten, dass er nicht endgültig besiegt war. Sie mussten sich vorbereiten auf das, was noch kommen würde, denn die Dunkelheit war unberechenbar und würde immer wieder zurückkehren.
Mit einem tiefen Atemzug gingen Maggie und Ezekiel weiter in die Höhle. Der Geruch von fauligem Fleisch und Moder war überwältigend, und die Dunkelheit schien sie zu umarmen. Auf ihrem Weg entdeckten sie einige Lumpen, die verstreut auf dem Boden lagen, Überreste von früheren Opfern oder vielleicht von den Untoten, die sie gesehen hatten. Daneben befanden sich mehrere Löcher, die in die Felsen geschlagen waren, als ob hier etwas Größeres verborgen lag. Ezekiel steckte seine Hand hinein, doch er konnte nichts ertasten. Verwundert und vorsichtig schritten sie weiter, die Anspannung zwischen ihnen war greifbar.
Die Höhle schien immer verwinkelter zu werden, und die Wände waren mit glitschigen, dunklen Substanzen bedeckt. Sie drängten tiefer in das Labyrinth der Dunkelheit vor und erreichten schließlich einen größeren Abschnitt der Höhle. Inmitten dieser unheimlichen Kulisse ragten drei kleine Türme aus Sand empor, die wie abscheuliche Monumente in der Dunkelheit standen. Ihr Anblick ließ das Herz von Maggie und Ezekiel schwer werden.
„Irgendwas stimmt hier nicht!“, sagte Ezekiel, während er sich umblickte, die Anspannung war in seiner Stimme deutlich zu hören. Die Atmosphäre war so drückend, dass selbst das Echo ihrer Stimmen in der Luft zerbrach. Plötzlich schien die Höhle zu leben, als ein kalter Wind durch den Raum zog und die Schatten um sie herumtanzten. Sie wussten, dass die Dunkelheit hier nicht aufhören würde, sie zu testen.
Doch gerade, als sie einen Schritt nähertraten, erschien der große Dämon erneut, seine groteske Gestalt tauchte aus dem Schatten auf. Hinter ihm lag eine schattenhafte Gestalt, die schwach wimmerte. Maggie hielt den Atem an. „Ist das Michael?“, dachte sie, als sie einen Schritt nähertrat. Der Dämon, jetzt wilder und stärker, wirkte, als ob er bereit war, um seine Beute zu kämpfen.
Der verzweifelte Kampf
In der bedrückenden Stille der Höhle, umgeben von drückenden Schatten und dem Geruch von fauligem Fleisch, erschien der große Dämon erneut, als hätte er sich aus den dunkelsten Tiefen ihrer Ängste manifestiert. Sein massiger Körper ragte über die beiden hinweg, und seine schrecklichen Augen leuchteten rot wie glühenden Kohlen in der Dunkelheit. Der Schatten hinter ihm bewegte sich, und als Maggie und Ezekiel näher traten, erkannten sie die wimmernde Gestalt, die auf dem Boden lag. „Ist das Michael?“ durchfuhr es sie. Verzweiflung stieg in ihren Herzen auf, während die Dunkelheit um sie herum dichter wurde.
Der Dämon knurrte tief und bedrohlich, seine Stimme war wie das Scharren von Gestein auf Gestein. „Ihr wagt es, hier zu stören?“ Seine Stimme war ein Echo aus der Hölle, und Maggie spürte, wie sich die Nackenhaare aufstellten. In diesem Moment war jeder Zweifel, jede Angst, die sie je gehabt hatten, wie weggeblasen. Ihr Überlebensinstinkt trat in den Vordergrund. „Wir werden dich nicht fürchten!“, rief Ezekiel, als er sich hinter Maggie stellte, die mit ihrem Säbel entschlossen voranschritt.
Mit einem brutalen Aufschrei stürzte sich der Dämon auf sie. Seine riesigen Klauen schlugen wie Blitze auf Maggie ein, und der Aufprall schleuderte sie durch den Raum. Der Schmerz schoss durch ihren Körper, doch sie war entschlossen, nicht aufzugeben. In einem reflexartigen Akt rollte sie sich zur Seite, während Ezekiel verzweifelt auf den Dämon feuerte, doch seine Kugeln schienen kaum Wirkung zu zeigen. Jeder Schuss hallte in der Höhle wider, und der Dämon ignorierte die Angriffe, als wäre er unverwundbar.
Maggie stand auf, ihre Wunden brannten, und ihre Muskulatur fühlte sich an, als würde sie sich in Schmerzensschreien verkrampfen. Doch die Entschlossenheit, Michael zu retten, gab ihr Kraft. Sie zog ihren Säbel, dessen Klinge im fahlen Licht der Laterne funkelte. „Komm schon, lass uns das beenden!“, rief sie und stürmte auf den Dämon zu. In einem wütenden Duell wich sie seinen Klauen aus, sprang zur Seite und stach mit aller Kraft in seine Seite. Doch der Dämon brüllte nur vor Wut und hielt den Schmerz zurück, als würde er aus reinem Hass leben.
Ezekiel, von der Wut gepackt, schoss weiter auf den Dämon, während er den Raum um sie herum überprüft. „Jetzt wird es Zeit, das Dunkel zu vertreiben!“, murmelte er und erinnerte sich an die Worte der Schrift. „Denn so spricht der Herr: Siehe, ich gebe dich in die Hand derer, die du hasst, in die Hand derer, von denen deine Seele sich jäh abgewandt hat.“ Mit diesen Worten lud er seine Pistole nach, und der Gedanke an göttliche Gerechtigkeit erfüllte ihn mit neuer Kraft.
Maggie, die den Dämon weiterhin ablenkte, spürte den Zorn in Ezekiel, der mit jedem Schuss wuchs. „Ezekiel, hinter dir!“, schrie sie und sah, wie mehrere kleine Kreaturen, die aus dem Nichts erschienen, auf sie zustürmten.
„Ich bin bereit!“, rief Maggie und schwang ihren Säbel, um die näherkommenden Kreaturen abzuwehren. Mit jeder Bewegung schnitt sie durch die verwesenden Körper, und das Blut spritzte an die Wände der Höhle, während sie verzweifelt gegen die Übermacht kämpften. Ezekiel, der eine letzte Patrone in die Pistole lud, konzentrierte sich auf den großen Dämon.
Mit einem gezielten Schuss traf er den Dämon in die Schulter, und ein grollendes Knurren erfüllte die Höhle. Doch der Dämon war nicht besiegt. Er wandte sich wütend zu Ezekiel, und seine Augen funkelten vor Zorn. Maggie nutzte die Ablenkung und stürmte erneut vorwärts, aber der Dämon war schnell. Mit einem einzigen Schlag katapultierte er sie durch den Raum.
Ezekiel fühlte, wie der Zorn in ihm brodelte. „Ich gebe nicht auf!“, murmelte er und drückte den Abzug. Der Schuss hallte in der Höhle wider, und der Dämon taumelte kurz zurück. „Jeder Schuss zählt!“, rief er, während er hastig nachlud. Maggie rappelte sich auf und sah den Dämon, der nun entschlossen war, sie ein für alle Mal zu erledigen. Sie hatte eine schreckliche Wunde an ihrem Arm, doch die Entschlossenheit brannte in ihren Adern.
Mit einem letzten, entschlossenen Angriff stürzte sie sich erneut auf den Dämon. Ihr Säbel traf ihn, doch anstatt zu fallen, wurde er stärker. „Wir müssen ihn zusammen angreifen!“, rief Ezekiel. Die beiden traten gemeinsam vor, ihre Entschlossenheit vereint gegen die Dunkelheit.
Sie umkreisten den Dämon, während er versuchte, sie mit seinen Klauen zu packen. Maggie stieß vor, und Ezekiel schoss, während sie sich synchron bewegten, als würden sie einen Tanz mit dem Tod aufführen. Der Dämon fiel auf die Knie, und die Klinge von Maggies Säbel schnitt tief in sein Fleisch.
„Jetzt!“, rief Ezekiel, und mit einem letzten, verzweifelten Schuss versenkte er die Kugel in das Herz des Dämons. Ein ohrenbetäubender Schrei erfüllte die Höhle, als der Dämon zitterte und sich in Luft auflöste. Der Schatten, der ihn umgeben hatte, zerfiel und ließ nur ein gespenstisches Echo zurück.
Das Rätsel um Michael
In der Dunkelheit, wo der Dämon einmal gestanden hatte, fanden sie Michael, dessen zerfetzte Kleidung an seinem Körper hing. Er war am Leben, aber schwer verletzt. Maggie kniete sich neben ihn und ergriff seine Hand. „Michael, wir sind hier!“, flüsterte sie, doch er antwortete nicht. Stattdessen murmelte er immer wieder: „Tengo que volver, tengo que volver.“ Seine Augen waren weit geöffnet, gefüllt mit Furcht und einem unstillbaren Verlangen nach etwas, das er nicht benennen konnte.
Ezekiel sah sie an, die Verzweiflung in seinen Augen. „Wir müssen ihn mitnehmen. Vielleicht können wir ihn retten!“ Seine Stimme zitterte vor Anspannung, doch sie wusste, dass sie in Larberg’s Landing keinen Arzt hatten, der ihm helfen konnte. Die verzweifelten Umstände drängten sie, und ohne einen weiteren Gedanken packten sie Michael vorsichtig und machten sich auf den beschwerlichen Rückweg.
Die Höhle schien nun wie ein Labyrinth aus Albträumen. Jeder Schritt hallte in der stillen Dunkelheit wider, während die Erinnerungen an die Schrecken, die sie gerade durchlebt hatten, in ihren Köpfen widerhallten. Als sie schließlich den Ausgang erreichten, traf das blasse Licht der Dämmerung auf ihre Gesichter und warf lange Schatten hinter ihnen.
Die Aussicht auf Larberg's Landing war bedrückend. Die Siedlung wirkte wie eine Geisterstadt, der Glanz der Hoffnung, den sie zuvor gefühlt hatten, war nun wie ein verblassender Traum. Die Luft war schwer und schwül, gefüllt mit dem Gestank von fauligem Fleisch und der Bitterkeit des Schicksals, das die Einwohner gefangen hielt. Die wenigen Menschen, die noch auf den Straßen umhergingen, schauten auf, als Maggie und Ezekiel mit Michael in ihren Armen in die Stadt traten. Ihre Gesichter waren leer, gezeichnet von der Verzweiflung, die sie alle miteinander teilten.
Old Milbert, der Wirt des Saloons, trat mit besorgtem Blick näher, als er die angespannte Miene der beiden Abenteurer sah. „Was ist passiert?“, fragte er mit zitternder Stimme, während seine Augen über die blutige Gestalt von Michael huschten.
„Er lebt… aber nicht mehr lange“, murmelte Ezekiel, und sein Herz sank, als er die Panik in Milberts Augen sah. „Wir müssen ihn rein bringen.“
Sie trugen Michael weiter, doch das baufällige Saloongebäude wirkte wie eine fest verschlossene Kammer, aus der es kein Entkommen gab. Die wackeligen Stühle und der staubige Boden schienen die Schreie der Vergangenheit zu absorbieren. Während Maggie Michael in eine Ecke des Raumes legte, wurde die Düsternis, die die Stadt umhüllte, fast greifbar.
Als sie sich über ihn beugten, in der Hoffnung, ein letztes Zeichen des Lebens zu finden, bemerkten sie, dass Michael immer schwächer wurde. Die Augen, die einmal voller Hoffnung und Entschlossenheit gewesen waren, waren nun trübe und weit geöffnet, als ob er in eine andere Welt starrte. Ein Gefühl der Ohnmacht überkam Maggie, als sie die kühlen Hände des Mannes hielt, der einst die Geschicke dieser Stadt lenken wollte. Er murmelte ein weiteres Mal: „Tengo que volver, tengo que volver.“
„Michael, bleib bei uns!“, flehte sie, während sie die Tränen zurückhielt. Doch es war vergebens. Sein Atem wurde flacher, die Worte, die er murmelte, hörten sich immer mehr wie ein verzweifelter Ruf in die Dunkelheit an.
Schließlich, in der bedrückenden Stille, fiel Michael in ihre Arme. Seine letzten Worte verhallten in der Luft, und die Dunkelheit, die sie so lange bekämpft hatten, hatte sie nun endgültig übermannt. Die Schatten des Dämons schienen triumphierend über Larberg’s Landing zu lachen, während Maggie und Ezekiel gebrochen vor der Realität ihrer Niederlage standen. Sie hatten gekämpft, hatten ihr Bestes gegeben, doch die Dunkelheit war unbarmherzig.
In der Dämmerung von Larberg's Landing, wo die Hoffnung versiegte und die Schrecken der Höhle in die Herzen der Menschen sickerte, schien der Fluss, der die Stadt umgab, leise zu weinen, und die Seelen der Verlorenen schwebten immer weiter in die Dunkelheit.
Die Nacht in Larberg's Landing war düster und still, die einzige Geräuschkulisse waren die leisen Wellen des Piechotta River, die gegen das Ufer schlugen. Maggie und Ezekiel hatten in einem kleinen Hotel Unterkunft gefunden, dessen Wände mit Staub und Vergänglichkeit übersät waren.
Suche nach Antworten
Im schwachen Licht einer Kerze, die auf dem schäbigen Tisch brannte, saßen sie in der Dunkelheit und reflektierten über die Ereignisse der vergangenen Tage. Der Tod des Mannes, den sie hatten retten wollen, ließ ihnen keine Ruhe. „Wir müssen herausfinden, was hier wirklich vor sich geht“, murmelte Ezekiel, seine Augen auf den Boden gerichtet.
Maggie nickte, während sie einen tiefen Atemzug nahm. „Morgen gehen wir zur Kirche. Vielleicht gibt es dort jemanden, der mehr weiß. Wir müssen das Rätsel um seinen Tod zu lösen.“
Am nächsten Morgen standen sie früh auf, die Kälte des Morgens war in der Luft spürbar. Als sie die Kirche von Larberg's Landing betraten, war das Licht schummrig, und der Geruch von altem Holz und schalem Weihwasser erfüllte den Raum. Das Sonnenlicht, das durch die schmutzigen Fenster fiel, malte gespenstische Muster auf den Boden.
Plötzlich bemerkten sie, dass der Priester hastig eine Flasche hinter seinem Altar verschwinden ließ. Sein Gesicht wirkte blass und erschöpft, und als er sich zu ihnen umdrehte, musterte er sie mit seinen tief eingefallenen, schwarz unterlaufenen Augen. Ein Moment der Unsicherheit huschte über sein Gesicht, bevor er zu sprechen begann.
Sein Priestergewand hatte schon bessere Tage gesehen, es war an vielen Stellen notdürftig geflickt und wirkte so zerknittert wie er selbst. Ein unangenehmer Geruch nach Alkohol drang an ihre Nasen, während er näher trat.
„Ich kann euch nicht viel über Michael sagen“, begann der Priester mit rauer Stimme, „aber überrascht bin ich nicht, dass gerade er es ist, der von diesem Dämon…“ Er bekreuzigte sich hastig, als ob er die Dunkelheit abwehren wollte. „…entführt worden ist. Er ist eine seltsame Gestalt. Es ist nicht nur seine Art zu sprechen, er hat diesen komischen Akzent. Ich vermute, dass er von weiter weg kommt, vielleicht Mexiko. Irgendwas ist komisch an ihm.“
Ezekiel und Maggie schauten sich an, während der Priester fortfuhr: „Manchmal ist er wochenlang weg, sein Geschäft geschlossen, und dann taucht er plötzlich wieder auf und hat allerlei seltsame Dinge bei sich. Ich vermute, er trifft sich mit seinen Geschäftspartnern irgendwo außerhalb der Stadt oder sonst welchen zwielichtigen Gestalten. In den letzten Wochen sind diese Treffen aber wohl ausgeblieben. Man hat ihn immer wieder in der Nähe der alten Johnson Mine gesehen. Ich weiß nicht, ob diese Bestie, die ihn entführt hat, irgendwas damit zu tun hat, aber das ist alles sicher kein Zufall. Ich denke, er hat irgendwas Wichtiges verloren. Ich weiß es nicht.“
Seine Stimme war brüchig, und als er weiterredete, schien er sich in seinen Gedanken zu verlieren. „Manchmal kam er mit einer Tasche voller Dokumente und Papiere zurück. Vielleicht findet ihr in seinem Laden einen Hinweis darauf. Ich werde auf jeden Fall für ihn beten.“ Er wandte sich wieder dem Altar zu und griff unverhohlen zu der Flasche, obwohl sie noch dort standen. Der Klirrton der Flasche klang wie ein leiser Protest gegen das, was in dieser Stadt vor sich ging.
Maggie und Ezekiel wechselten einen Blick. Der Priester war ein Schatten seiner selbst, und sie spürten, dass sie es mit mehr zu tun hatten als nur mit einem Dämon. Der geheimnisvolle Michael, die alten Minen und der verzweifelte Priester waren nur die Spitze des Eisbergs. „Danke, dass Sie uns informiert haben“, sagte Ezekiel schließlich, und sie verließen die Kirche, entschlossen, die dunklen Geheimnisse von Larberg's Landing zu lüften.
Maggie und Ezekiel standen vor dem Antiquitätenladen von Michael, doch die schwere Holztür war fest verschlossen. „Verdammtes Schloss“, murmelte Ezekiel und klopfte leicht gegen die Tür.
Maggie und sah sich um. „Vielleicht kann uns Old Milbert im Saloon helfen. Lass uns dorthin gehen.“
Sie machten sich auf den Weg zum Saloon, dessen schäbige Fassade im schwachen Licht der Dämmerung leuchtete. Der Geruch von schalem Bier und Staub drang ihnen entgegen, als sie den Raum betraten. Old Milbert, der Wirt, saß hinter dem Tresen, und als er die beiden sah, hob er seine Augenbrauen und leckte sich über die Lippen.
„Wir wollten nach weiteren Informationen über Michael fragen“, begann Ezekiel, während er die Umgebung musterte.
Milbert zuckte mit den Schultern und schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht viel über den Kerl. Er kam, ging und war immer wieder wochenlang verschwunden. Irgendwas war seltsam an ihm, aber ich kann euch nicht sagen, was. Sorry, Kinder, das ist alles, was ich habe.“
Ezekiel warf einen enttäuschten Blick auf Maggie, doch dann kam ihm eine Idee. „Danke für Ihre Hilfe, Milbert. Hier, nehmen Sie das als kleines Dankeschön.“ Er legte einen kleinen Goldnugget auf den Tresen.
Old Milberts Augen weiteten sich, und plötzlich wurde er viel aufmerksamer. „Moment mal, wartet!“ rief er und winkte die beiden zurück. Mit einem schnellen Blick über die Schulter schob er ihnen einen Schlüssel zu, der auf der rauen Holzoberfläche klimperte.
Ezekiel und Maggie sahen sich überrascht an. „Danke, Milbert“, sagten sie im Chor, und dann machten sie sich auf den Weg zu Michaels Antiquitätengeschäft.
Die knarrende Holztür von Michaels Antiquitätenladen war fest verschlossen. Maggie und Ezekiel standen vor dem verfallenen Gebäude, dessen Wände von der Zeit und dem unbarmherzigen Wetter gezeichnet waren. „Hast du den Schlüssel, den Old Milbert dir gegeben hat?“, fragte Maggie und blickte nervös zur Tür. Ezekiel nickte und hielt den kleinen, rostigen Schlüssel in seiner Hand, der im Licht der Nachmittagssonne schimmerte.
„Hier geht’s!“, murmelte er und steckte den Schlüssel ins Schloss. Es quietschte, als er ihn drehte, und die Tür öffnete sich mit einem letzten, klagenden Stöhnen.
Der Geruch von Staub und moderndem Holz schlug ihnen entgegen, als sie den Antiquitätenladen betraten. Der Raum war ein einziges Chaos aus hochgestapelten Kisten, verstaubten Regalen und mit Tüchern abgedeckten Gegenständen. Maggie trat einen Schritt vor und ließ ihren Blick über die vielen seltsamen Artefakte schweifen. „Was für ein Durcheinander“, murmelte sie. „Wo fangen wir an?“
Ezekiel trat weiter ein und entzündete die Laterne, deren Licht die dunklen Ecken des Ladens erhellte. „Vielleicht finden wir etwas, das uns mehr über Michael und den Dämon verrät“, schlug er vor.
Sie durchstreiften den Raum, und die Spannung zwischen ihnen war greifbar, als sie durch das verwitterte Gerümpel wühlten. „Schau dir das an!“, rief Maggie und hielt eine alte Rüstung hoch, die auf einer Puppe drapiert war. „Was glaubst du, hat Michael mit all diesen Sachen vorgehabt?“
„Wahrscheinlich hat er sie nur gesammelt“, murmelte Ezekiel und fuhr mit den Fingern über die Oberfläche einer verstaubten Glaskugel. „Aber da ist etwas anderes hier. Irgendwas fühlt sich nicht richtig an.“
„Vollgestopfte Regale, Glaskugeln, Geschirr und - ist das dort ein altes Schwert? Sieht aus wie aus einem Museum.“ Maggie ging näher, während sie durch die seltsamen Gegenstände streifte. Der Laden quoll über vor Gerümpel. Ein seltsamer Schädel, der einst einer Art gigantischer Echse gehört haben musste, blickte sie mit leeren Augen an.
Maggies Aufmerksamkeit wurde auf einen kleinen Tisch in der Ecke gelenkt, der merkwürdig leer wirkte im Vergleich zu dem Rest des Ladens. „Sieh mal!“, rief sie und schob einige Kisten beiseite. Dort lag ein in Leder gebundenes, zerfleddertes Buch. „Miguel Cortades“, las sie laut vor, als sie den Einband öffnete.
„Könnte das wichtig sein?“, fragte Ezekiel, während er über ihre Schulter schaute.
„Es scheint auf Spanisch geschrieben zu sein“, stellte Maggie enttäuscht fest, als sie weiterblätterte. „Einige Seiten fehlen, und diese hier sind total verdreckt. Vielleicht war es lange in einer Mine oder Höhle.“
„Das klingt nicht gut“, murmelte Ezekiel und legte den Kopf schief, um die Seiten besser zu betrachten. „Wir sollten die anderen Seiten finden. Es könnte der Schlüssel zu Michaels Geheimnis sein.“
Sie schoben einige weitere Kisten beiseite und suchten, doch die Zeit drängte. Die düstere Atmosphäre des Ladens ließ sie frösteln. „Was meinst du, was hier passiert ist?“, fragte Maggie, während sie sich umdrehte und die vielen Gegenstände betrachtete, die in der Dunkelheit wie Gespenster wirkten.
„Ich weiß es nicht, aber wir müssen herausfinden, was mit Michael geschehen ist und was es mit dem Dämon auf sich hat“, antwortete Ezekiel und sah auf das Buch, das sie gerade gefunden hatten. „Wenn er einen Grund hatte, all diese Dinge zu sammeln, dann muss es eine Geschichte dahinter geben.“
Sie wanderten weiter durch den Laden, und während sie die schattenhaften Umrisse der Antiquitäten betrachteten, wuchs in ihnen die Erkenntnis, dass die Vergangenheit von Larberg's Landing weit mehr verbarg, als es den Anschein hatte.
Aufbruch
Schließlich beschlossen sie, den Antiquitätenladen zu verlassen und sich auf den Weg nach Stone's Crossing zu machen. „Dort könnten wir neue Ausrüstung finden und vielleicht auch Begleiter, die uns auf unserem Abenteuer unterstützen können“, schlug Ezekiel vor.
„Ja, wir brauchen alles, was wir bekommen können“, stimmte Maggie zu. „Die Dunkelheit, die wir hier erlebt haben, war nur der Anfang.“
Als sie den Laden hinter sich schlossen, schien die Sonne hinter den Hügeln zu sinken, und die Schatten der Dämmerung breiteten sich über Larberg's Landing aus. Der Weg nach Stone's Crossing war lang, doch sie hatten ein Ziel vor Augen, und die Entschlossenheit, das Unbekannte zu erforschen, brannte in ihren Herzen.
Ezekiel und Maggie erreichten gemeinsam Stones Crossing, wo die düsteren Schatten des vergangenen Kampfes sie weiterhin begleiteten. Die Stadt war klein, ein Ort, der trotz seiner Abgeschiedenheit von den rauen Winden des Wilden Westens gezeichnet war. Maggie, erschöpft und von den Ereignissen in Larberg's Landing tief getroffen, beschloss, sich hier eine Weile zu erholen. Ezekiel hingegen wusste, dass ihre Mission nicht warten konnte. Mit einem letzten Blick auf Maggie, die im Schatten eines heruntergekommenen Gasthauses stand, machte er sich alleine auf den Weg nach Wood's End. Die Reise war lang und gefährlich, doch Ezekiel hatte keinen Zweifel daran, dass er dort neue Ausrüstung und Mitstreiter finden würde – Verbündete, die bereit waren, sich dem wachsenden Dunkel zu stellen. Auch wenn er wusste, dass er Maggie bald wiedersehen würde, fühlte sich die Trennung wie ein Gewicht an, das schwer auf seinen Schultern lag. Doch er ging weiter, getrieben von dem unerschütterlichen Glauben, dass ihre getrennten Wege schließlich in einem gemeinsamen Ziel münden würden.
Die Begegnung mit den Schwarzzahnindianern
Die Weite der Prärie war still, fast unnatürlich. Nur der Wind, der gelegentlich Staubwolken aufwirbelte, und das entfernte Schreien eines Adlers durchbrachen die Stille. Ezekiel zog seinen Mantel enger um sich, der Gedanke an die Einsamkeit seiner Reise pochte leise in seinem Hinterkopf. Doch er war nicht so allein, wie er dachte.
Plötzlich nahm er etwas wahr – ein kaum hörbares Rascheln im hohen Gras, ein Schatten, der sich jenseits seiner Sichtweite bewegte. Seine Hand glitt instinktiv zum Revolver, während er mit geschärften Sinnen stehen blieb. Es dauerte nicht lange, bis sie auftauchten. Aus dem Nichts schälten sich die Gestalten der Schwarzzahnindianer aus der Umgebung, als wären sie Teil der Prärie selbst. Ihre Gesichter waren mit schwarzer Kriegsbemalung bedeckt, die in der untergehenden Sonne fast wie Dämonenfratzen wirkten. Ihre Augen funkelten wie die eines Raubtiers, das seine Beute erspäht hatte.
Der Anführer hob eine Hand, und mit einem einzigen scharfen Ruf setzten sich die anderen in Bewegung. Ezekiel zögerte keine Sekunde – er wusste, dass er allein gegen die Übermacht keine Chance hatte. Stattdessen stürzte er sich in die nahen Hügel, wo die zerklüfteten Felsen ihm Deckung boten. Ein Pfeil zischte knapp an seinem Kopf vorbei und bohrte sich in die Erde, ein grausames Zeugnis der Präzision seiner Verfolger.

Die Jagd dauerte Stunden. Ezekiel bewegte sich wie ein Schatten, schlängelte sich zwischen Felsvorsprüngen hindurch und suchte immer wieder Deckung, während die Krieger ihn unerbittlich verfolgten. Sie kannten das Land besser als er, kannten jeden Pfad, jede Schlucht. Doch Ezekiel hatte den Vorteil seiner Entschlossenheit und seiner Erfahrung als Kämpfer. Er nutzte das Terrain zu seinem Vorteil, ließ die Indianer immer wieder seine Spur verlieren, nur um an einer anderen Stelle erneut aufzutauchen.
In einem besonders engen Felsspalt, wo die Schatten der Abenddämmerung bereits tief lagen, machte er schließlich Halt. Er drückte seinen Rücken gegen die kalte Felswand, die Revolver fest in den Händen, und lauschte. Die Schreie der Krieger hallten in der Ferne, doch sie entfernten sich langsam. Nach einer Weile war nur noch das leise Heulen des Windes zu hören. Ezekiel wartete, bis die Nacht hereingebrochen war, bevor er sich wieder in Bewegung setzte. Die Schwarzzahnindianer hatten die Jagd vorerst aufgegeben, aber er wusste, dass sie nicht weit waren.
Die Begegnung hatte ihn gewarnt: Diese Reise würde ihn nicht nur mit übernatürlichen Feinden konfrontieren, sondern auch mit Menschen, deren Wildheit und Entschlossenheit ebenso tödlich war. Als er schließlich den Hügel hinabstieg, den Blick auf die schimmernden Lichter von Wood's End gerichtet, wusste er, dass er keine Sekunde der Wachsamkeit nachlassen durfte. Der Westen war erbarmungslos – und die Schwarzzahnindianer würden sicher nicht die letzte Gefahr sein, die ihn heimsuchte.
Wood's End: Ein neuer Anfang
Erschöpft, aber entschlossen, erreichte er Wood's End. Die Stadt hatte einen ruppigen Charme, ein Ort, an dem sich Gesetz und Chaos in trügerischer Balance hielten.
Vor dem Saloon begegnete er einem zerlumpten Mann, der einen streunenden Hund bei sich führte. „Fünf Dollar und er gehört dir“, sagte der Fremde und stieß Ezekiel den Hund vor die Füße.
Der Hund, ein dürrer, zerzauster Köter mit einer auffälligen Narbe über dem rechten Auge, schnüffelte vorsichtig an Ezekiel und ließ sich von ihm die Ohren kraulen. „Wuffi“, sagte Ezekiel knapp und gab dem Mann die Münzen.
Neue Verbündete
Ezekiel trat durch die knarrende Tür des Saloons, der Geruch von billigem Whiskey und kaltem Rauch schlug ihm entgegen. Sein Blick wanderte durch den Raum, auf der Suche nach Männern, die nach Ärger aussahen – und bereit waren, ihn für den richtigen Preis anzunehmen.
In einer dunklen Ecke saßen sie: drei Männer, deren Gesichter härter wirkten als das Holz der Möbel. Ihre Revolver lagen sichtbar auf dem Tisch, und die Art, wie sie miteinander flüsterten, ließ keinen Zweifel daran, dass sie sich besser aufeinander verließen als auf irgendjemanden sonst in diesem Saloon.
Ezekiel schritt mit festen Schritten durch den Raum, ließ die Blicke der anderen Gäste an sich abperlen. Als er den Tisch der Männer erreichte, zog er sich einen Stuhl heran und ließ sich nieder. Sie sahen auf, skeptisch, doch keiner von ihnen griff nach der Waffe – noch nicht.
„Ich brauch Männer, die was können“, begann Ezekiel, seine Stimme ruhig, aber mit einem Unterton, der keinen Widerspruch zuließ. „Ich hab Arbeit für euch. Gut bezahlt.“
Jack, der größte der drei, lehnte sich zurück und musterte Ezekiel. „Und warum denkst du, dass wir interessiert sind, Fremder? Vielleicht sind wir hier, um unser eigenes Geschäft zu machen.“
Ezekiel schnaubte leise, zog einen kleinen Beutel hervor und warf ihn auf den Tisch. Goldmünzen rollten heraus, begleitet von einem leisen Klirren. Doch es war das Glitzern von etwas Dunklerem, das die Männer innehalten ließ. Dark Stone. Ihre Blicke wurden wachsam, als sie die schimmernden Splitter betrachteten, die unter dem flackernden Licht des Saloons glühten.
„Das ist ein Vorgeschmack“, sagte Ezekiel ruhig. „Was ich gefunden hab, liegt in einer Mine bei Larberg’s Landing. Mehr Gold und Dark Stone, als ihr jemals gesehen habt. Aber ich brauche Männer, die schnell ziehen und keine Angst vor dem haben, was da unten lauern könnte.“
Garret, der ruhigste der drei, hob eine Münze auf und drehte sie zwischen den Fingern. „Dark Stone zieht Ärger an. Jeder weiß das. Was erwartest du von uns? Dass wir blind in 'ne Todesfalle marschieren?“
„Ich erwarte, dass ihr tut, was ich sage“, entgegnete Ezekiel scharf. „Ich kenn euch nicht, und ehrlich gesagt interessiert mich das auch nicht. Was mich interessiert, ist, ob ihr bereit seid, euch die Hände schmutzig zu machen. Wenn nicht, verschwende ich keine Zeit.“
Ape, der jüngste und ungestümste der Gruppe, grinste breit und schob sich seinen Hut aus der Stirn. „Angst? Boss, ich hab genug Kugeln verschossen, um zu wissen, dass der Colt alles regelt. Wenn da unten irgendwas auf uns wartet, schieß ich’s über den Haufen.“
Ezekiel lehnte sich vor, sein Blick wie ein Messer. „Da unten ist etwas, das man nicht mit normalen Worten beschreiben kann. Ihr werdet es selbst sehen. Und wenn ihr nicht schnell genug seid, werdet ihr’s nicht überleben. Aber wenn ihr durchhaltet, wartet am Ende genug Reichtum, um euch den Rest eures Lebens zu kaufen.“
Jack lachte trocken. „Ape, halt die Klappe. Fremder, du hast unser Interesse. Aber wenn du uns reinlegst, garantiere ich dir, wir nehmen uns dein Gold – und dein Leben.“
Ezekiel zog langsam seinen Revolver und legte ihn auf den Tisch, die Finger ruhig auf dem Lauf. „Dann zieh, Jack. Lass uns sehen, wer schneller ist.“
Eine angespannte Stille lag über dem Tisch, doch Jack bewegte sich nicht. Stattdessen grinste er schief und nickte. „Mut hast du, ich geb’s zu. Du hast uns. Aber wir kennen deinen Namen. Wie wär’s mit unseren?“
Ezekiel ließ die Hand auf dem Revolver, während die Männer sich nacheinander vorstellten.
„Jack“, begann der Größte der drei, seine Stimme tief und ruhig. „Ich halte dir den Rücken frei, solange du deinen Teil einhältst.“
„Garret“, sagte der zweite knapp, ohne die Münze in seiner Hand loszulassen. „Ich schieße, wenn’s nötig ist. Und ich frage nicht nach, warum.“
„Ape“, sagte der Jüngste mit einem breiten Grinsen. „Ich mach die Drecksarbeit. Aber ich will meinen Anteil – keinen Cent weniger.“
Ezekiel nickte langsam. „Gut. Morgen früh, vor dem General Store. Bringt eure Revolver und eure Entschlossenheit mit. Und vergesst nicht – ich bin der Boss. Ihr tut, was ich sage, oder ich lass euch hier liegen.“
Er stand auf, ließ den Beutel mit Gold und Dark Stone auf dem Tisch zurück, und ging hinaus. Die Männer blieben sitzen, doch ihre Blicke waren jetzt entschlossener. Sie wussten, dass sie mit Ezekiel nicht nur Gold fanden, sondern auch Ärger – aber das war ein Risiko, das sie bereit waren einzugehen.
Ezekiel machte sich auf den Weg in die Kirche.
Ein göttlicher Segen und ein Angriff
Die Kirche von Wood's End, geführt von Father Maddes, war ein bescheidener Bau aus verwittertem Holz, der dennoch einen Ort des Trostes für die Gemeinde darstellte. Ezekiel betrat das Gotteshaus, um sich vor seiner bevorstehenden Mission segnen zu lassen. Die Bänke waren leer, und das Licht der untergehenden Sonne warf lange Schatten durch die bunten Glasfenster.
Father Maddes, ein Mann mittleren Alters mit sanften Augen und einem beruhigenden Lächeln, trat an den Altar. Ezekiel kniete nieder, senkte den Kopf und schloss die Augen, während der Priester ein Gebet sprach. Die Worte waren leise, doch sie erfüllten den Raum mit einer spürbaren Wärme. Ezekiel fühlte eine innere Ruhe, als ob eine unsichtbare Hand seine Sorgen für einen Moment hinwegwischte. Nach dem Gebet überreichte er dem Priester eine kleine Spende, die dieser mit einem dankbaren Nicken entgegennahm.
Plötzlich durchbrachen Schreie und das Krachen von Schüssen die Stille. Ezekiel sprang auf und eilte aus der Kirche. Draußen bot sich ein chaotisches Bild: Eine Gruppe von Männern, Überbleibsel der einst gefürchteten Hitchcock-Bande, ritt durch die Straßen und verbreitete Angst und Schrecken. Obwohl die Bande vor Monaten zerschlagen worden war, hatten sich einige ihrer Mitglieder zu einem zusammengewürfelten Haufen formiert und griffen nun Wood's End an.
Ezekiel zog seine Revolver und suchte Deckung hinter einem umgestürzten Wagen. Seine neu gewonnenen Gefährten – Garret, Abe und Jack – waren bereits in den Kampf verwickelt. Garret feuerte aus einem Fenster des Saloons, während Abe mit einem Schrotgewehr von der Veranda des General Stores schoss. Jack kämpfte sich durch die Straßen, flankierte die Banditen mit einer Beweglichkeit, die Ezekiel Respekt abnötigte.
Die Schüsse hallten durch die kühle Abendluft, während die Bewohner von Wood's End panisch Schutz suchten. Ezekiel zentrierte seinen Blick auf einen der Angreifer, der eine brennende Fackel hielt und damit auf ein Gebäude zusteuerte. Mit einem schnellen Druck auf den Abzug schickte er den Mann zu Boden, die Fackel fiel harmlos in den Staub. Doch die Banditen waren zahlreicher, als er erwartet hatte, und ihre Angriffe wurden immer heftiger.
Ezekiel stürmte über die Straße, duckte sich hinter eine Wasserkiste und schoss gezielt auf einen weiteren Banditen, der vom Dach eines Stalls Deckung suchte. Der Mann stürzte mit einem markerschütternden Schrei zu Boden. „Garret! Jack! Wir müssen sie einkesseln!“ rief Ezekiel durch das Getöse des Kampfes. Seine Mitstreiter reagierten sofort, flankierten die Angreifer von beiden Seiten, während Abe das Zentrum sicherte.
Nach einer erbitterten halben Stunde war der Angriff gebrochen. Die Banditen, die noch auf den Beinen waren, zogen sich zurück. Die letzten Schüsse verhallten in der Dunkelheit, und eine bedrückende Stille legte sich über Wood's End. Ezekiel ließ die Waffen sinken, sein Atem ging schwer. Er wusste, dass der Sieg teuer erkauft war – mehrere Bewohner der Stadt waren gefallen, und die Hitchcock-Bande hatte Zerstörung hinterlassen.
Gerüchte begannen sich zu verbreiten, während die Bewohner die Schäden begutachteten und die Verletzten versorgten. „Die haben sich bestimmt in der Peacockmine versteckt“, murmelte ein alter Mann mit zitternder Stimme. „Dort drin hausen sie wie Ratten. Aber wenn ihr mich fragt, da ist mehr als nur Banditen drin.“
Ezekiel spürte, dass diese Schlacht nur der Auftakt war. Die Peacockmine war berüchtigt – nicht nur für ihren einstigen Reichtum an Dark Stone, sondern auch für die Geschichten von merkwürdigen Lichtern und unerklärlichen Geräuschen aus ihren Tiefen.
Das Treffen vor dem General Store
Am nächsten Morgen tauchte die aufgehende Sonne Wood's End in ein warmes, goldenes Licht, das die raue Stadt für einen Moment friedlich wirken ließ. Doch der Frieden war trügerisch. Vor dem General Store versammelten sich Ezekiel und seine frisch angeworbenen Mitstreiter. Der Ladenbesitzer, Thomas Hobbe, lehnte lässig im Türrahmen und rauchte eine Pfeife, während er das Treffen mit einem wissenden Blick beobachtete.
Ezekiel stand mit verschränkten Armen, sein Mantel wehte leicht im Morgenwind. Sein Blick war fest auf die drei Männer gerichtet, die nacheinander aus verschiedenen Richtungen auftauchten.
Jack war der Erste, ein breitschultriger Mann mit einer mürrischen Miene. Er trug seinen Revolver tief im Holster und nickte knapp zur Begrüßung. „Pünktlich wie versprochen, Boss“, brummte er.
„Ich mag Männer, die wissen, wie man die Zeit einhält“, erwiderte Ezekiel kühl.
Kurz darauf erschien Garret, schweigsam wie immer, mit einer Zigarette im Mundwinkel. Er warf nur einen kurzen Blick auf Ezekiel und Jack, bevor er sich an die Wand des General Stores lehnte und begann, seinen Revolver zu überprüfen. Ohne ein Wort zu sagen, ließ er seine Finger über die Trommel gleiten, als wäre das Ritual wichtiger als jede Konversation.
„Garret“, grüßte Ezekiel knapp, woraufhin der Mann nur mit einem kurzen Nicken antwortete.
Schließlich schlenderte Ape um die Ecke, seinen Hut tief ins Gesicht gezogen und ein selbstgefälliges Grinsen auf den Lippen. „Na, hab ich die Party verpasst?“ fragte er mit einem Augenzwinkern, während er die Hände lässig in den Taschen hielt.
„Wenn du zu spät wärst, würdest du sie verpassen“, entgegnete Ezekiel. Seine Stimme war kalt, aber sein Blick ruhte auf Ape, als wollte er ihn genau einschätzen. „Ich hab euch gesagt, dass ich keinen Scheiß dulde. Gut, dass du’s verstanden hast.“
Ape lachte leise, zog seine Hand aus der Tasche und klopfte auf den Griff seines Revolvers. „Keine Sorge, Boss. Ich bin hier, um zu arbeiten.“
Ausrüstung und Vorbereitung
Ezekiel deutete auf den General Store. „Thomas Hobbe hat was für uns, das wir brauchen. Drinnen kriegt ihr alles, was uns hilft, da draußen zu überleben. Keine Fragen – nehmt, was ich euch sage, und haltet den Mund.“
Die Männer folgten Ezekiel in den Laden, wo Hobbe bereits einige Ausrüstung auf einem alten Tresen ausgebreitet hatte. Silberbeschichtete Kugeln, sorgfältig in Leinensäckchen verpackt, lagen neben einer kleinen Sammlung von Dynamitstangen. Der Ladenbesitzer grinste breit.
„Also, Ezekiel, du weißt, ich bin kein Mann, der nachfragt, warum jemand so was kauft. Aber ich hoffe, ihr wisst, was ihr tut.“
„Das tun wir“, sagte Ezekiel knapp und reichte ihm eine Handvoll Münzen. Hobbe wog das Geld in der Hand, nickte zufrieden und trat beiseite.
Die Männer rüsteten sich schweigend aus. Jack nahm die silbernen Kugeln mit prüfendem Blick, Garret schob eine Dynamitstange vorsichtig in seine Tasche, und Ape schnappte sich ein Säckchen mit Munition, das er lässig in den Gürtel schob. Ezekiel überwachte die Szene und sorgte dafür, dass keiner mehr nahm, als nötig war.
Der Aufbruch
Als die Männer wieder nach draußen traten, hatten sich ihre Gesichter verändert. Sie wirkten nicht mehr wie eine Gruppe rauer Männer, die zufällig an einem Tisch zusammenkamen. Jetzt waren sie eine Einheit, vereint durch eine gemeinsame Mission – und durch das Versprechen von Reichtum.
Ezekiel ließ seinen Blick über die Gruppe schweifen. „Ihr wisst, was auf dem Spiel steht. Da draußen wartet mehr als nur Gold und Dark Stone. Aber wenn wir zusammenhalten, holen wir, was uns zusteht. Klar soweit?“
Jack nickte mit einem knappen „Klar, Boss.“ Garret murmelte ein leises „Verstanden“, während Ape erneut breit grinste. „Ich bin bereit, Boss. Lass uns loslegen.“
Ezekiel wandte sich ab und ging voran, den staubigen Pfad hinab, der aus der Stadt führte. Die Männer folgten ihm, ihre Revolver griffbereit und ihre Blicke entschlossen. Wood's End verschwand langsam hinter ihnen, und die karge Prärie breitete sich vor ihnen aus wie ein ungeschriebenes Blatt – bereit für die Geschichte, die sie schreiben würden.
Die Johnson Mine: Wo Albträume Gestalt annehmen
Die Gruppe stand am Eingang zu drei verschiedenen Höhlen, jede ein dunkles Maul, das ins Unbekannte führte. Ezekiel kniff die Augen zusammen und betrachtete die Spuren im Boden vor einem der Eingänge – auffällige Schleifspuren, die ins Innere führten.
„Das ist die Höhle, in der wir Michael gefunden haben“, murmelte er, bevor sein Blick zu den beiden anderen Eingängen wanderte.
Die linke Höhle trug ein verwittertes Schild mit der Aufschrift „Jefferson Mine“, während der rechte Eingang unmarkiert war. Jack entdeckte schließlich im Gestrüpp ein verstecktes Schild, dessen verblasste Buchstaben den Namen „Johnson Mine“ preisgaben.
„Wer zum Teufel versteckt ein Schild?“ fragte Ape skeptisch und schob mit seiner Spitzhacke ein paar Zweige beiseite.
Ezekiel stand mit verschränkten Armen und musterte die Eingänge. Der süßliche Geruch, der in der Luft lag, ließ seine Stirn sich in Falten legen.
„Wir gehen in die Johnson Mine“, entschied er schließlich. Seine Stimme war ruhig, aber bestimmt. „Was auch immer hier versteckt wurde, es ist die Mühe wert.“
Wuffi stürmte ungestüm voraus, seine Pfoten wirbelten Staub auf, während er schnüffelnd den Eingang erkundete.
„Verdammte Töle“, murmelte Jack, doch Ezekiel winkte ab. „Er wird uns schon warnen, wenn da drin etwas nicht stimmt.“
Der erste Verlust: Ape und die verfluchte Kiste
Die Luft in der Mine war schwer, dicht wie ein unsichtbarer Vorhang, der sich mit jedem Schritt enger um sie legte. Der süßliche Geruch von Verfall und Fäulnis drang in ihre Nasen, ließ die Männer die Gesichter verziehen. Die Flammen der Laternen warfen gespenstische Schatten an die feuchten Wände, und das Knirschen ihrer Stiefel auf dem staubigen Boden war das einzige Geräusch, das die unnatürliche Stille durchbrach.
Im Eingangsbereich stießen sie auf eine Ansammlung alter Kisten und Fässer, von einer dicken Staubschicht bedeckt. Die meisten waren gewöhnlich, zerfressen von der Zeit, doch eine Kiste stach sofort ins Auge. Sie war kunstvoll verziert, mit goldenen Beschlägen und Schnitzereien, die im flackernden Licht ihrer Laternen seltsam zu pulsieren schienen.
„Verdammt“, murmelte Ape, seine Augen fixierten die Kiste wie magisch angezogen. Er blieb abrupt stehen, die Spitzhacke locker in der Hand. „Seht euch das Ding an! Das muss was wert sein.“
Ezekiel wirbelte herum, seine Stimme hart wie Stahl. „Ape, lass die Finger davon. Wir sind hier nicht, um zu plündern.“
Doch Ape, von Natur aus neugierig und unvorsichtig, grinste schief. Er trat näher an die Kiste heran, seine Finger zitterten vor Erwartung, als er die Hand ausstreckte. „Das… das muss was Wertvolles sein“, murmelte Ape, während seine Finger die Kiste berührten.
„APE, VERDAMMT, NICHT!“ Ezekiels Stimme hallte durch die Mine, scharf und voller Autorität. Doch es war zu spät. Kaum hatte Ape die Kiste berührt, erstarrte sein Atem. Ein frostiger Hauch breitete sich von seiner Hand aus über seinen gesamten Körper, der von einer unnatürlichen Aura umgeben wurde. Innerhalb von Sekunden war Ape in eine dünne Schicht aus glitzerndem Eis gehüllt, seine Augen weit aufgerissen, als hätte er im letzten Moment noch den Schrecken seines Schicksals begriffen.
Ezekiel schrie auf und sprang vor. Er griff Ape an der Schulter, versuchte ihn zurückzureißen, doch im selben Moment geschah es: Apes Körper zerbrach mit einem ohrenbetäubenden Knirschen. Tausende Eissplitter schossen durch die Luft, glitzerten im Licht der Laternen, bevor sie wie Schnee auf den Boden fielen. Ape war weg – nur ein Haufen Splitter und Staub blieb zurück.
Die Gruppe erstarrte, unfähig, zu reagieren. Garret war der Erste, der den Bann brach, fluchend und leise murmelnd: „Scheiße… Was war das? Was zur Hölle war das?“
Jack stand da, zitternd, seine Hand fest um den Griff seines Revolvers geklammert. Wuffi winselte leise, seine Ohren lagen flach an seinem Kopf.
Ezekiel atmete schwer, sein Blick brannte vor Zorn und Entschlossenheit. Er drehte sich zu den anderen um, seine Stimme eiskalt. „Niemand – und ich meine NIEMAND – fasst hier noch irgendwas an. Habt ihr mich verstanden? Wir müssen weiter.“
Garret nickte, immer noch mit bleichem Gesicht, während Jack schluckte und ein unsicheres „Ja, Boss“ murmelte. Sie wussten, dass es kein Zurück mehr gab.
Der Angriff aus dem Dimensionsriss
Die Dunkelheit der Mine schien mit jedem Schritt dichter zu werden. Die Wände rückten enger zusammen, als wollten sie die Gruppe verschlingen. Die Luft flimmerte, als sei etwas Unnatürliches nah, doch keiner der Männer wagte, es laut auszusprechen. Nur Wuffi knurrte tief aus der Kehle, ein Ton, der Ezekiel die Nackenhaare aufstellte.
Dann geschah es. Ein grelles Licht zerriss die Schwärze vor ihnen, blendete sie für einen Moment. Die Luft begann zu pulsieren, und ein unheilvolles Heulen erfüllte die Mine. Ein dimensionsloser Riss öffnete sich mitten im Tunnel, als würde die Realität selbst auseinanderreißen. Aus dem Riss sprang eine Kreatur hervor – ein hundeartiges Wesen, doch seine glühenden Augen und das Maul voller glühender, nadelspitzer Zähne machten klar, dass es nicht von dieser Welt war.
„Was zur Hölle ist DAS?!“ rief Jack und riss seinen Revolver hoch.
Garret war schneller. Er feuerte drei Schüsse, die mit ohrenbetäubendem Knallen die Mine erfüllten. Doch die Kugeln prallten ab, als hätte die Kreatur eine unsichtbare Barriere. Das Wesen brüllte, ein Laut, der die Männer bis ins Mark erschütterte, bevor es blitzschnell auf Garret zustürmte.
„Garret, pass auf!“ schrie Ezekiel, doch die Kreatur war schneller. Sie packte Garret mit einer unmenschlichen Kraft, schleuderte ihn wie eine Puppe durch die Luft. Er krachte gegen die Wand der Mine, und bevor er überhaupt den Boden berührte, stürzte sich das Wesen auf ihn. Mit einem einzigen brutalen Biss zerriss es seinen Körper. Blut und Fetzen von Fleisch spritzten an die Wände, während das Wesen sich wieder zurückzog und in den Riss sprang, der sich mit einem dumpfen Knall schloss.
Ezekiel und Jack standen wie gelähmt. Der Schock des plötzlichen Angriffs hielt sie für Sekunden in Starre, die sich wie Stunden anfühlten. Wuffi knurrte weiter, die Zähne gebleckt, bereit, sich auf die nächste Bedrohung zu stürzen.
Ezekiel schüttelte sich, seine Stimme rau und kalt. „Wir haben keine Wahl. Zurück können wir nicht. Beweg dich.“
Jack nickte schwach, seine Finger zitterten immer noch an der Waffe. „Garret… Der ist… Scheiße, Boss. Was war das?“
„Frag nicht“, knurrte Ezekiel und setzte sich wieder in Bewegung. „Wir müssen rausfinden, was hier los ist, bevor wir auch dran sind.“
Wuffi blieb dicht an Ezekiels Seite, und die Männer marschierten tiefer in die Finsternis, ihre Schritte schwerer als je zuvor.
Die Warnung der Krähe
Plötzlich verstummte Wuffi, sein Bellen wich einem nervösen Knurren. Ezekiel folgte seinem Blick und sah sie: Eine Krähe, schwarz wie die tiefste Nacht, saß auf einem herausragenden Felsen. Ihre Augen funkelten wie winzige Obsidiansplitter, und sie wirkte, als würde sie sie aus der Dunkelheit heraus verspotten.
Jack flüsterte: „Eine Krähe? Hier unten? Was will die denn?“
Doch bevor Ezekiel antworten konnte, hallte eine seltsame, heisere Stimme durch seinen Kopf. „Dies ist nicht euer Pfad. Kehrt um, solange ihr noch könnt.“
Ezekiel riss seinen Revolver und zielte auf die Krähe, doch sie flog nicht davon. Stattdessen schien sie ihn mit einem weiteren Krächzen zu verhöhnen.
„Das ist Wahnsinn“, murmelte Jack, sein Gesicht blass vor Angst. Schließlich erhob sich die Krähe mit einem schweren Flügelschlag und verschwand in den Schatten. Ezekiel senkte die Waffe und schüttelte den Kopf.
„Das war eine Warnung, Jack. Aber wir haben keine Wahl.“
Jack und die Tentakel des Wahnsinns
Die Mine öffnete sich in eine Kammer, deren Mitte von einem seltsamen Hügel aus aufgeworfener Erde eingenommen wurde. Vor dem Hügel stand ein Grabstein, alt und ohne Inschrift. Die Luft war eiskalt, und ein Knistern lag darin, als ob die Dunkelheit selbst atmete.
Ezekiel kniete sich kurz nieder und sprach ein wortloses Gebet und richtete sich dann wieder auf.
„Jack, geh vor und sieh dir das an“, befahl Ezekiel und reichte ihm die Laterne.
Jack starrte ihn an, seine Hände zitterten. „Warum immer ich?“
„Weil ich schon genug verloren habe“, erwiderte Ezekiel mit leiser, aber entschlossener Stimme. „Mach es einfach.“
Jack nahm die Laterne und trat zögerlich vor. Doch kaum hatte er den Hügel erreicht, begann sich sein Körper zu verändern. Ezekiel beobachtete mit Schrecken, wie Jacks Haut anfing zu blubbern, als würde sie kochen. Sein Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei, während seine Knochen sich unter entsetzlichem Knirschen verformten. Die Laterne fiel aus seiner Hand und zerschellte auf dem Boden.
„Jack!“ Ezekiel schrie, doch er konnte nichts tun. Jacks Körper sackte zusammen, seine schmelzende Haut sickerte in den Boden, bis nur noch seine zerbrochenen Knochen zurückblieben.
Bevor Ezekiel reagieren konnte, bebte der Boden. Der Erdhügel barst, und dunkle, zuckende Tentakel schossen daraus hervor. Sie bewegten sich wie lebendige Wesen, ihre Spitzen glitzerten in der Dunkelheit, als wären sie mit unheimlichen Augen bedeckt.
Der Kampf gegen die Tentakel
Ezekiel zog sofort seine Revolver und schoss auf die Tentakel, doch die Kugeln hatten kaum Wirkung. Einer der Tentakel schnellte vor und schlug nach ihm, doch Ezekiel wich gerade noch aus. Wuffi sprang vor, knurrte und verbiss sich in einem der Tentakel. Der Hund kämpfte verbissen, doch die Kreatur war zu stark. Mit einem schnellen Schlag wurde Wuffi zu Boden geschleudert, wo er reglos liegen blieb.
„Nein!“ schrie Ezekiel. Der Verlust von Wuffi trieb ihm Tränen in die Augen, doch er wusste, dass er handeln musste. Er griff nach einer Dynamitstange in seiner Tasche, entzündete sie an einer der flackernden Fackeln und warf sie in die Mitte des Erdhügels.
Die Explosion war ohrenbetäubend. Felsen und Erde flogen durch die Luft, und die meisten Tentakel wurden in einem Inferno aus Feuer und Rauch vernichtet. Ezekiel hustete und hielt sich die Hand vor den Mund, während er in die Dunkelheit starrte, um sicherzugehen, dass keine Gefahr mehr lauerte.
Doch dann öffnete sich ein Dimensionsriss. Zwei weitere hundeartige Kreaturen stürmten heraus, ihre leuchtenden Augen und gefletschten Zähne eine Verkörperung des Bösen. Ezekiel hob seine Revolver und schoss mit aller Kraft, doch eine der Kreaturen stieß ihn zu Boden. Blut rann über sein Gesicht, und sein Atem wurde schwer.
Mit letzter Kraft zog Ezekiel eine weitere Dynamitstange hervor, die er im Tumult fallen gelassen hatte. Er entzündete sie und rollte zur Seite, gerade noch rechtzeitig, um der tödlichen Attacke der Kreaturen zu entgehen. Die Explosion traf beide Wesen und ließ sie in einem Funkenregen vergehen. Doch die Wucht der Detonation brachte auch die Mine zum Einsturz.
Steine und Balken fielen herab, und Ezekiel konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Mit zitternden Händen schoss er auf einen der Stützbalken, wodurch die Decke über dem Erdhügel endgültig zusammenbrach. Staub und Geröll füllten die Luft, und die Dunkelheit verschlang ihn.
Das Erwachen
Ezekiel wusste nicht, wie lange er bewusstlos war. Als er wieder zu sich kam, lag er in einem Bett in Wood's End. Die hölzerne Decke über ihm war vertraut, doch der süßliche Geruch der Mine hing noch immer in seiner Nase.
Die Schrecken der Johnson Mine waren vorüber – doch sie hatten Spuren hinterlassen, die Ezekiel nie vergessen würde. Er war der einzige Überlebende einer Reise, die ihn bis an die Grenzen seines Verstandes geführt hatte. Und er wusste, dass dies nur der Anfang eines viel dunkleren Weges war.
Genesung in Wood's End
Ezekiel erwachte in einem schäbigen Zimmer, sein Körper von Schmerz durchzogen. Durch die verwitterten Fensterläden fiel gedämpftes Sonnenlicht. Der Gestank der Johnson Mine hing noch immer in seiner Nase – eine Mischung aus Verwesung, Schießpulver und etwas anderem, das kein Mensch benennen sollte.
„Verdammter Narr“, murmelte Doc Fellner, während er Ezekiels Verbände wechselte. „Die meisten, die aus dieser Mine kommen, tragen wir direkt zum Friedhof. Du hattest mehr Glück als Verstand.“
Ezekiel versuchte sich aufzusetzen, doch sein Körper protestierte. Die Explosionen in der Mine hatten ihn härter getroffen als gedacht.
„Wie lange war ich ...?“
„Drei Tage“, knurrte der Doktor. „Und du bleibst mindestens noch zwei weitere liegen, oder ich bind dich fest.“
Die Tage zogen sich wie zäher Sirup. Ezekiel döste, geplagt von Fieberträumen von tentakelbewehrten Schrecken und den Schreien seiner gefallenen Kameraden. Wenn er wach war, starrte er an die rissige Decke und plante. Die Mine hatte ihn nicht gebrochen – sie hatte ihm nur gezeigt, dass er besser vorbereitet sein musste.
Nach einer Woche konnte er wieder aufstehen. Seine Muskeln waren schwach, aber sein Wille war stärker als zuvor. Er musste zurück in die Mine, musste herausfinden, was dort unten lauerte. Aber diesmal würde er es richtig angehen.
Eine Stadt im Wandel
Die Stadt hatte sich während seiner Genesung verändert. Misstrauen lag in der Luft wie der Staub der Straße. Die Menschen tuschelten über Mutationen, über das Darkstone, über die Schrecken der Minen. Ezekiel spürte ihre Blicke, sah, wie sie seine vernarbte Haut musterten, seine gebeugte Haltung.
An diesem Morgen sollte ein Bandido gehängt werden. Die Mittagssonne brannte erbarmungslos auf den staubigen Marktplatz herab. Der Galgen warf einen spärlichen Schatten auf den festgetretenen Boden, wo sich Schweiß und Staub mit Tabaksaft vermischte. Der Verurteilte stand mit gefesselten Händen auf der Falltür, sein von Pockennarben zerfressenes Gesicht verzog sich zu einem höhnischen Grinsen.
„He, du dreckiger Hurensohn“, rief er dem Henker zu, „bind den Strick fester. Deine Schwester mag’s auch härter um den Hals!“
Der Henker, ein bulliger Mann mit Schnapsnase, zog den Knoten extra fest. „Halt’s Maul, Mexikaner-Abschaum. In der Hölle werden sie dir mehr als nur den Hals zudrücken.“
Die Menge johlte und schrie Beleidigungen. Einige warfen verfaultes Gemüse und Pferdeäpfel.
„Letzte Worte, Bastard?“, knurrte der Henker und spuckte dem Bandido ins Gesicht.
Der Bandido lachte wild, Speichel und Blut tropften von seiner aufgeplatzten Lippe. „Ich verfluche diese Stadt und jeden verdammten Hurensohn, der hier lebt!“ Er spuckte in die Menge, eine blutige Mischung aus Tabak und Schleim. „Eure Kinder werden in ihren Betten verrecken, eure Frauen werden–“
Der Henker ließ den Hebel los, bevor der Bandido seinen Fluch beenden konnte. Das Krachen der Falltür vermischte sich mit dem Knacken des brechenden Genicks. Der Körper zuckte und baumelte, während sich eine dunkle Pfütze unter ihm bildete.
„Scheiße, der hat sich vollgepisst!“, lachte jemand aus der Menge.
„Hängt den nächsten!“, brüllte ein anderer.
Die aufgeheizte Stimmung kippte. Plötzlich richteten sich die hasserfüllten Blicke der Menge auf Ezekiel.
„Da! Der aus der Mine!“, zischte eine Frau. „Seht ihr seine Narben? Nicht natürlich!“
„Mutant!“, rief jemand. „Hat sich in der Mine verwandelt!“
Ezekiel wusste, wann ein Kampf sinnlos war. Er schwang sich auf sein Pferd und ritt aus der Stadt, während Steine und Beschimpfungen ihm nachflogen. Der Fluch des Bandidos schien bereits zu wirken – die Stadt verfiel dem Wahnsinn.
Die Suche nach Gefährten
Die Hufe seines Pferdes trommelten einen gleichmäßigen Rhythmus auf den harten Boden. Stone's Crossing würde sein nächstes Ziel sein. Er brauchte neue Gefährten – Männer, die hart genug waren, die Mine zu überleben.
Ein schrilles Pfeifen durchschnitt die Luft. Ezekiel zügelte sein Pferd und lauschte. Das war kein normales Lokomotivenpfeifen – es klang wie ein Todesschrei aus Stahl.
Der Zug entgleiste vor seinen Augen. Metall zerbarst, Holz splitterte, und Schreie erfüllten die Luft. Als sich der Staub legte, sah er drei Männer zwischen den Trümmern arbeiten. Jeder von ihnen trug eine abgewetzte Lederweste mit einem eingebrannten Bluthundkopf auf der Innenseite – das Zeichen einer berüchtigten Söldnergruppe.
Justus stand breitbeinig zwischen den rauchenden Wrackteilen, eine abgenutzte Spitzhacke über der Schulter, sein vernarbtes Gesicht vom Schweiß verschmiert. Seine Augen waren kalt und wachsam. Peter bewegte sich wie ein Raubtier durch die Trümmer, seine Hand nie weit vom abgenutzten Revolver an seinem Gürtel entfernt. Bob lehnte an einem zerborstenen Waggon, ein verwittertes Lederbuch in der Hand, in dem er die Namen der Toten notierte.
„Ihr drei", rief Ezekiel und spuckte seinen Kautabak in den Staub. „Habt ihr schon mal was von der Johnson Mine gehört?"
Justus spuckte ebenfalls aus. „Verdammtes Höllenloch. War letzten Monat dort in der Nähe. Hab die Schreie gehört." Er tippte sich an den Hut. „Kein Gold der Welt ist das wert."
„Kommt drauf an, wie viel Gold", knurrte Peter und zog sein Messer, um sich die Fingernägel zu säubern. Seine Hand zitterte leicht – nicht aus Angst, sondern vom zu vielen Whiskey.
Bob schlug sein Buch zu. „Letzte Woche hab ich drei Männer beerdigt. Oder was von ihnen übrig war. Haben gesagt, sie gehen zur Mine." Er lachte bitter. „Waren nicht die Ersten, werden nicht die Letzten sein."
Ezekiel trat näher, seine Sporen klirrten im Staub. „Ich war drin. Hab Dinge gesehen, die einem Mann den Verstand rauben können. Aber da unten… da unten gibt es mehr als nur Gold. Darkstone. Genug, um uns alle reich zu machen."
„Darkstone?" Justus' Hand schloss sich fester um seine Spitzhacke. „Teufelstein, nennen sie es in den Bergen. Macht die Menschen wahnsinnig."
„Oder reich", grinste Peter düster. „Sehr reich."
„Oder tot", murmelte Bob und öffnete sein Buch wieder. „Hab noch Platz für ein paar Namen."
„Morgen früh, beim Ausrüster in Stone's Crossing", sagte Ezekiel. „Tausend im Voraus, fünftausend, wenn wir zurückkommen. Plus alles, was wir finden."
Die drei Männer tauschten Blicke. In ihren Augen spiegelte sich die Gier, die schon so viele Männer in Gefahr getrieben hatte.
Justus richtete sich zu seiner vollen Größe auf. „Die Bluthunde von Wood's End nehmen an," sagte er mit einem grimmigen Lächeln. „Der Tod ist unser Geschäft, und das Geschäft läuft gut."
„Zum Teufel damit. Besser als hier zu verrecken", fügte er hinzu.
„Werd meinen Revolver putzen", sagte Peter und strich über die Waffe an seinem Gürtel.
Bob zuckte mit den Schultern. „Die Toten erzählen eh die besten Geschichten."
Ein Rabe krächzte über ihnen, während die Sonne hinter dunklen Wolken verschwand. Der Wind trug den Gestank von verbranntem Metall und Tod mit sich. Morgen würden sie aufbrechen, zurück zur Johnson Mine – wo die Schrecken warteten. Aber diesmal würde Ezekiel vorbereitet sein.
„Der Tod ist unser Geschäft, und das Geschäft läuft gut", wiederholte Justus leise, als sie sich trennten. Die Bluthunde von Wood's End hatten einen neuen Auftrag.
Der süße Gestank
Die Reise zurück zur Mine war beschwerlich. Die Gruppe bestand aus Ezekiel und den drei Söldnern Justus, Peter und Bob, die er für diese gefährliche Expedition angeheuert hatte. Als sie schließlich am Eingang der Johnson Mine ankamen, wehte ihnen ein starker Sandsturm entgegen, der ihre Sicht einschränkte und ihre Augen mit scharfem Staub füllte.
Vor ihnen öffnete sich der dunkle Schlund der Mine, eine schwarze Wunde im Felsen. Ezekiel spürte, wie sein Herzschlag sich beschleunigte, als die Erinnerungen an sein letztes Erlebnis hier wie ein böser Traum zurückkehrten.
"Wir sind da," sagte er knapp und wandte sich zu den anderen um. "Bleibt wachsam und folgt mir."
Flüstern in der Dunkelheit
Als sie die Mine betraten, schlug ihnen sofort der unverkennbare süße Gestank entgegen, den Ezekiel nur zu gut kannte. Eine widerliche Mischung aus Verwesung, feuchtem Gestein und etwas Unaussprechlichem, das nicht von dieser Welt zu stammen schien. Die hölzernen Stützpfeiler der Minenwände knarrten bedrohlich im Wind, der durch die Gänge pfiff wie die Klage einer verlorenen Seele.
Staub und Geröll fiel von der Decke, ein Zeichen dafür, dass die Konstruktion nicht mehr stabil war. Peter, einer der Söldner, sah nervös nach oben.
"Diese Stützbalken halten nicht mehr lange," murmelte er. "Wir sollten uns beeilen."
Ezekiel nickte, doch in diesem Moment hörte er es – ein bedrohliches Flüstern, das direkt in seinem Kopf zu sein schien. Es waren keine klaren Worte, sondern ein verworrenes, überlagerndes Raunen, als würden dutzende Stimmen gleichzeitig sprechen. Er schüttelte den Kopf, um die Stimmen zu vertreiben, doch sie blieben, eine böse Präsenz am Rande seines Bewusstseins.
"Hört ihr das auch?" fragte er die anderen, seine Stimme angespannt.
Die Söldner wechselten unsichere Blicke. "Ich höre nichts," sagte Justus mit gerunzelter Stirn.
"Lasst uns weitergehen," drängte Ezekiel. Er wusste, je tiefer sie in die Mine vordrangen, desto gefährlicher würde es werden, aber sie mussten die fehlenden Seiten des Buches finden.
Der Dimensionsriss
Sie kämpften sich durch den überwältigenden Gestank, der mit jedem Schritt intensiver zu werden schien. Die Laternen in ihren Händen warfen unruhige Schatten an die feuchten Wände, und das Tropfen von Wasser hallte durch die Stille wie ein unregelmäßiger Herzschlag.
Plötzlich durchschnitt ein grelles, überirdisches Licht die Dunkelheit vor ihnen. Die Luft begann zu flimmern und zu verzerren, als würde die Realität selbst zerrissen. Mit einem reißenden Geräusch öffnete sich ein Dimensionsriss mitten im Gang – ein pulsierendes blaues Portal, das wie eine Wunde im Gewebe der Wirklichkeit klaffte.
Aus dem Riss sprang ein hundeartiges Wesen, genauso, wie Ezekiel es bereits kannte. Seine glühenden Augen fixierten die Gruppe, und Speichel tropfte aus seinem Maul voller rasiermesserscharfer Zähne. Das Wesen setzte zum Sprung an und stürzte sich direkt auf Bob, den jüngsten der Söldner.
Ohne zu zögern, zog Ezekiel seine Pistolen und eröffnete das Feuer. Ein wahrer Kugelhagel prasselte auf die höllische Kreatur ein. Die Schüsse hallten ohrenbetäubend durch die enge Mine, und der Geruch von Schießpulver vermischte sich mit dem süßlichen Gestank. Die Kreatur jaulte auf, als die Kugeln ihren Körper durchschlugen, doch es schien sie nicht aufzuhalten. Erst als mehrere Treffer ihren Kopf erreichten, brach sie zusammen und löste sich in einem Funkenregen auf, als hätte sie nie existiert.
"Was zum Teufel war das?" keuchte Peter, dessen Gesicht kreidebleich geworden war.
"Ein Wächter," sagte Ezekiel grimmig. "Und es werden nicht die letzten gewesen sein."
Maggies Ankunft
In diesem Moment hörten sie eine vertraute Stimme, die vom Eingang der Höhle zu ihnen drang. "Ezekiel? Bist du hier drin?"
Ezekiel wandte sich um, Erleichterung durchflutete ihn, als er die Stimme erkannte. "Maggie?"
Maggie O'Connel stand im schwachen Licht des Mineneingangs, ihr Gewehr geschultert und die Augen wachsam. "Ich habe dein Pferd am Eingang gesehen," erklärte sie. "Ich wusste, dass du zurückkommen würdest, du sturer Narr."
Sie kam näher, musterte kritisch die drei Söldner und nickte dann knapp. "Ihr seid also die neuen."
"Das ist Maggie," stellte Ezekiel sie vor.
Tiefer in die Mine
Die Gruppe setzte ihren Weg fort, nun verstärkt durch Maggies unerwartete Anwesenheit. Die drei Söldner erwiesen sich als wertvolle Hilfe, da sie oft vorausschritten und die Umgebung erkundeten, bevor die anderen nachkamen. Der Gang führte sie immer tiefer in die Eingeweide der Erde, und die Luft wurde drückender, als lastete das Gewicht des Berges auf ihren Schultern.
Ihre Laternen begannen zu flackern, als würde etwas die Flammen ersticken wollen. Die Schatten an den Wänden schienen zu tanzen und sich zu bewegen, als hätten sie ein Eigenleben entwickelt. Es war, als würde die Mine selbst atmen, als wäre sie ein lebendiges, bösartiges Wesen, das nur darauf wartete, zuzuschlagen.
Plötzlich blieb Justus stehen und hob warnend die Hand. "Dort vorne... seht ihr das?"
Vor ihnen öffnete sich der schmale Gang zu einer gewaltigen Kammer. Die Wände wichen zurück, als hätte ein unvorstellbares Wesen den Fels von innen ausgehöhlt. In der Mitte dieses unterirdischen Doms pulsierte etwas – ein krankes, schwefeliges Licht, das die Dunkelheit nicht so sehr vertrieb als vielmehr verdarb. Es warf zuckende Schatten an die Höhlenwände, die sich wie Tentakel zu bewegen schienen. Die Luft selbst schmeckte hier metallisch, als hätte jemand Kupfermünzen auf ihre Zungen gelegt.
Als sie näher traten, erkannten sie die Quelle: Mehrere Dimensionsrisse hatten sich im Gestein geöffnet, jeder etwa mannshoch und von einem unnatürlichen, bläulich-violetten Schimmer umgeben. Die Risse schwebten buchstäblich in der Luft, ihre Ränder fransten aus wie versengte Stoffetzen und bewegten sich, als atmeten sie. Durch die gequälte Öffnung in der Realität konnte man flüchtige Eindrücke von Landschaften sehen, die kein menschliches Auge je hätte erblicken sollen – unmögliche Geometrien, bösartige Farben, die es in dieser Welt nicht gab.
Der Boden der Höhle war bedeckt mit seltsamen Markierungen – eingeritzte Symbole, die das Auge schmerzten, wenn man zu lange auf sie starrte. An manchen Stellen glänzte der Fels feucht, aber was dort glitzerte, war kein Wasser.
"Verdammte Hölle," murmelte Justus, der trotz der drohenden Gefahr die Symbole am Boden studierte. "Irgendein Hurensohn hat diese Löcher absichtlich aufgerissen."
"Halt's Maul mit deinem Geschwafel," zischte Peter nervös. Seine Hand umklammerte die Spitzhacke so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten. "Lass uns lieber unsre Hintern hier rausschaffen, bevor was passiert!"
"Allmächtiger," flüsterte Bob mit zitternder Stimme. Er war der Jüngste der drei und stand etwas hinter den anderen, seinen Revolver unsicher im Anschlag. Er hatte ein abgegriffenes Notizbuch herausgezogen und kritzelte hastig darin, trotz der offensichtlichen Gefahr. "Das muss irgendjemand sehen, verdammt!"
Und dann geschah es.
Mit einem Geräusch, das klang wie das Zerreißen nassen Papiers, weiteten sich die Risse. Die Luft vibrierte, und eine Welle von Kälte schlug ihnen entgegen, so eisig, dass sich augenblicklich Raureif auf ihren Waffen bildete. Aus den pulsierenden Toren sprangen vier der hundeartigen Wesen – doch "hundeartig" beschrieb diese Kreaturen kaum ausreichend.
Der Kampf gegen die Bestien
Ihre Körper waren grotesk verzerrt, als hätte eine wahnsinnige Gottheit Hunde genommen und sie durch einen Albtraum gezogen. Die Haut spannte sich zu straff über die Knochen, die an manchen Stellen aus dem Fleisch hervorbrachen. Ihre Gliedmaßen waren zu lang, zu gelenkig, bewegten sich in Winkeln, die die Naturgesetze verhöhnten. Und ihre Augen – nicht zwei, sondern drei, vier, manchmal fünf pro Kreatur – glühten wie geschmolzenes Metall in der Dunkelheit, pulsierend im Rhythmus der Risse selbst.
Die Gruppe erstarrte kollektiv, gelähmt von einem urzeitlichen Terror, der tief aus dem stammenden Gehirn kam. Das war keine gewöhnliche Angst – es war das Entsetzen eines Säugetiers, das instinktiv weiß, dass es einer Bedrohung gegenübersteht, für die die Evolution es nicht vorbereitet hat.
Justus' Lippen formten ein lautloses Gebet, während sein Verstand fieberhaft nach einer Erklärung suchte, nach einem Muster, einer Schwäche, die sie ausnutzen könnten. Peter ließ ein ersticktes Wimmern hören, seine typische Impulsivität momentan von nackter Angst überwältigt. Bob zitterte so stark, dass seine Zähne klapperten, sein Notizbuch fest umklammert, als könnte das aufgezeichnete Wissen ihn irgendwie schützen. Selbst Maggie, hart und unbeugsam wie sie war, wich einen Schritt zurück, ihr Gesicht eine Maske aus blankem Entsetzen.
Nur Ezekiel durchbrach die Lähmung. Etwas in ihm – vielleicht der Teil, der bereits zu viel gesehen hatte, um noch vollständig menschlich zu sein – riss ihn aus der Schockstarre.
"FEUER!" brüllte er, seine Stimme hallte von den Wänden wider wie der Befehl eines Feldherren. Der Klang durchbrach den Bann, der auf der Gruppe lag. Seine Hände bewegten sich mit maschineller Präzision, als er beide Revolver zog. Die Waffen fühlten sich in seinen Händen lebendig an, als hätten sie einen eigenen, mörderischen Willen.
Der erste Schuss donnerte durch die Höhle, so laut, dass kleine Steinbrocken von der Decke fielen. Die Kugel traf eine der Kreaturen zwischen die vordersten Augen. Dunkle Flüssigkeit – zu zähflüssig und zu irisierend, um Blut zu sein – spritzte aus der Wunde, doch das Wesen taumelte nur kurz, bevor es mit einem unmenschlichen Knurren wieder vorwärts stürmte.
Maggie erwachte als nächste aus ihrer Erstarrung. Mit einem Kampfschrei, der mehr nach Verzweiflung als nach Mut klang, feuerte sie ihre Schrotflinte ab. Die Detonation war ohrenbetäubend in dem engen Raum, der Rückstoß so stark, dass sie zurücktaumelte und fast gefallen wäre. Die Schrotkugeln rissen Fleischfetzen aus einer der Kreaturen, die einen schrillen, unmöglichen Laut ausstieß – nicht das Heulen eines Hundes, sondern eher wie das Kreischen rostigen Metalls auf Schiefer.
Justus war der erste der drei Söldner, der seine Fassung wiedererlangte. Mit einer Ruhe, die im krassen Gegensatz zur Situation stand, trat er vor und positionierte sich zwischen den Kreaturen und seinen jüngeren Gefährten.
"Auseinander, ihr Idioten!" bellte er den anderen zu. "Peter, von links! Bob, schieß diesen Teufelsviechern die Lichter aus! Und bleibt mir verdammt nochmal am Leben!"
Peter, durch Justus' Kommando aus seiner Starre gerissen, nickte knapp. "Kriegst du, Justus!" Mit neu gefundener Entschlossenheit stürzte er sich auf eine der Kreaturen. Wo Justus besonnen agierte, war Peter die verkörperte Impulsivität – ein wilder, ungestümer Kämpfer, der seine Angst in Aggression umwandelte. Seine Spitzhacke schwang in einem weiten Bogen, getrieben von der rohen Kraft seiner kräftigen Arme.
"Die Glubschaugen!" rief Bob plötzlich, während er in Deckung ging und seinen Revolver anlegte. "Macht die Mistbiester blind! Seht ihr nicht, wie sie zucken, wenn wir ihre Augen treffen?"
Die Bestien bewegten sich mit einer Geschwindigkeit, die ihnen ihre klobige Erscheinung nicht zugetraut hätte – wie Öl flossen sie durch den Raum, ihre Körper schienen die Gesetze der Physik zu missachten. Ihre Klauen, lang wie Dolche und schimmernd wie polierter Obsidian, suchten nach ungeschütztem Fleisch.
Rettung von Bob
Eine der Kreaturen sprang auf Bob zu, der einen gellenden Schrei ausstieß und verzweifelt seinen Revolver als Schild benutzte. Die Klauen schlugen Funken, als sie das Metall trafen, und die Wucht des Aufpralls warf Bob zu Boden. Die Bestie stand über ihm, Speichel – oder etwas, das Speichel ähnelte, aber in unnatürlichen Farben schillerte – tropfte von ihren Lefzen auf Bobs verzerrtes Gesicht herab.
"Bob!" schrie Maggie und schwenkte ihre Flinte herum. Doch bevor sie abdrücken konnte, war Ezekiel da. Mit unmenschlicher Präzision feuerte er drei Schüsse in schneller Folge ab. Die ersten beiden trafen das Wesen in den massigen Nacken, die dritte Kugel durchschlug einen der glühenden Augäpfel. Die Kreatur bäumte sich auf, ein gurgelndes Heulen ausstoßend, dann brach sie über Bob zusammen.
"Runter von dem Jungen, du Bastard!" Justus packte das Vieh mit seinen massigen Armen und zerrte es von dem zitternden Bob weg. Die Kreatur wand sich in seinem Griff, schnappte mit Kiefern voller nadelspitzer Zähne nach ihm. Justus' Gesicht verzerrte sich zu einer Grimasse aus Anstrengung und Entschlossenheit. Mit einem Brüllen, das mehr Tier als Mensch war, rammte er seine Spitzhacke in den Schädel der Bestie. Ein widerliches Knirschen ertönte, als der Stahl Knochen und was auch immer das Hirn dieser Kreatur war, durchdrang.
Die Kreatur zuckte, erstarrte, und begann dann in Justus' Händen zu zerfallen – nicht wie ein Körper, der stirbt, sondern wie Rauch, der sich auflöst. Aus den Wunden quoll ein glühender, funkensprühender Nebel, der in der Luft tanzte, bevor er erlosch. Binnen Sekunden war nichts mehr von dem Wesen übrig als ein schwacher, schwefeliger Geruch.
"Das Vieh... löst sich auf!" keuchte Justus ungläubig. "Heilige Scheiße, sind das überhaupt richtige Tiere?"
"Schwatz später, du verdammter Klugscheißer!" schrie Peter, während er mit seiner Spitzhacke auf eine weitere Kreatur einschlug. "Hilf mir lieber bei diesem Höllenhund!"
"Köpfe! Zielt auf die Köpfe!" brüllte Ezekiel über das Chaos hinweg, während er sich einer weiteren Kreatur zuwandte. Diese bewegte sich mit katzenhafter Geschmeidigkeit auf ihn zu, den Kopf tief zwischen den Schultern, bereit zum Sprung.
Ezekiel wartete, regungslos wie eine Statue, nur seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Die Bestie sprang, ein schwarzer Schatten mit glühenden Augen in der düsteren Höhle.
Ezekiel feuerte im selben Moment, als das Wesen den höchsten Punkt seiner Flugbahn erreicht hatte. Die Kugel durchschlug den offenen Rachen des Biests und trat am Hinterkopf wieder aus. Wie der erste Angreifer zerfiel auch dieses Wesen zu funkendurchsetztem Rauch, der sich auflöste, bevor der massive Körper den Boden berühren konnte.
Kampf ums Überleben
Am anderen Ende der Höhle kämpfte Peter verzweifelt gegen die dritte Kreatur. Seine Spitzhacke hatte sich in der dicken Haut des Wesens verfangen, und er zerrte vergeblich daran. Die Bestie öffnete ihr Maul, aus dem nicht eine, sondern drei Zungen hervorschnellten, jede bedeckt mit winzigen, saugnapfartigen Strukturen. Peter schrie vor Entsetzen, als eine der Zungen sein Gesicht streifte und ein brennender Schmerz ihn durchzuckte. Die Haut, wo die Zunge ihn berührt hatte, begann sich rot zu färben, als hätte er sich verbrüht.
"Halt's Maul, Peter! Bleib stehen!" rief Bob, der sich inzwischen aufgerappelt hatte. Er hob seinen Revolver, das Zittern seiner Hände jetzt besser unter Kontrolle. "Ich räum den Dreckskerl für dich weg!"
Mit überraschender Präzision feuerte er auf die Kreatur, die Peter bedrängte. Die Kugel streifte eines der Augen des Wesens, das vor Schmerz zurückwich und Peter damit genug Zeit gab, seine Waffe zu befreien.
Maggie reagierte ohne zu zögern. Sie riss ihr Messer vom Gürtel und warf sich auf den Rücken der Kreatur, die unter ihrem Gewicht taumelte, aber nicht fiel. Mit einem Kampfschrei stieß sie die Klinge bis zum Heft in eines der glühenden Augen. Das Wesen bäumte sich auf, schüttelte sich wild, um sie abzuwerfen. Maggie klammerte sich an das groteske Fell, ihr Gesicht verzerrt zu einer Grimasse aus Hass und Entschlossenheit.
"Verrecke, du Ausgeburt der Hölle!" zischte sie, als sie das Messer herauszog und erneut zustieß – dieses Mal tief in den Schädel des Wesens. Das Wesen erstarrte mitten in der Bewegung, dann erzitterte es, als ginge ein elektrischer Schlag durch seinen missgebildeten Körper. Maggie sprang ab, gerade noch rechtzeitig, bevor die Kreatur in einer Wolke aus glühenden Funken und schwarzem Rauch kollabierte.
Die letzte der Bestien, die bisher am Rand gelauert hatte, schien zu erkennen, dass sich das Blatt gewendet hatte. Mit einem schrillen Heulen, das in den Ohren schmerzte und die Zähne vibrieren ließ, wandte sie sich zur Flucht – zurück zu einem der pulsierenden Portale.
"Scheiße! Es haut ab!" schrie Ezekiel, doch seine Revolver waren leer. Verzweifelt zog er sein Messer, wissend, dass er zu weit entfernt war, um die Bestie zu erreichen, bevor sie im Riss verschwand.
Der letzte Schlag
"Ich krieg das Biest!" rief Bob überraschend entschlossen. Sein Gesicht, zuvor blass vor Angst, war nun von Entschlossenheit gezeichnet. Mit einem Mut, den ihm niemand zugetraut hätte, stürzte er vorwärts, seinen Revolver wie eine Keule schwingend. Er traf die Kreatur am Hinterbein, das mit einem knackenden Geräusch brach.
"Hab den Hurensohn erwischt!" jubelte er, als das Wesen aufheulte und taumelte.
Peter, der sich inzwischen wieder gefangen hatte, stürzte sich neben Bob auf die verwundete Bestie. "Gut gemacht, du Scheißkerl!" rief er anerkennend. "Halt das Vieh fest!"
Gemeinsam brachten sie das Wesen zu Fall. Die Kreatur wand sich unter ihnen, schnappte und kreischte, aber geschwächt durch die Verletzung konnte sie die beiden Männer nicht abschütteln.
"Macht Platz!" Justus kam mit erhobener Spitzhacke angerannt. Mit ruhiger Präzision, die selbst in diesem Chaos seine analytische Natur verriet, zielte er genau auf den Punkt zwischen den Augen der Kreatur – die Schwachstelle, die er während des Kampfes identifiziert hatte.
"Friss das, du Satan!" grollte er, als er die Spitzhacke niedersausen ließ. Das Metall traf genau zwischen den Augen der Kreatur, drang tief ein. Das Wesen erbebte, zuckte noch einmal wild, dann begann es wie die anderen zu zerfallen.
Stille senkte sich über die Höhle, unterbrochen nur vom keuchenden Atem der fünf Überlebenden. Der Kampf war vorüber, doch die Anspannung wich nur langsam aus ihren Körpern.
Nach dem Kampf
Ezekiel ließ langsam die Arme sinken, seine Muskeln protestierten vor Erschöpfung. Seine Hände zitterten leicht, als er die leeren Revolver zurück in die Holster steckte. Er blickte zu den anderen hinüber. Maggie stand gebeugt da, die Hände auf die Knie gestützt, ihr Atem ging pfeifend.
Justus, der ruhigste der drei Söldner, begann methodisch den Raum zu untersuchen. "Diese Biester... die sind nicht von hier," murmelte er, während er vorsichtig einen der verblassenden Rauchschleier betrachtete. "Und diese Risse sind wie Türen. Verdammt nochmal, wohin führen die?"
Peter, der noch immer schwer atmete, wischte sich das Blut von der Wange, wo die Zunge der Kreatur ihn berührt hatte. "Schert mich einen Dreck, wohin sie führen," knurrte er. "Hauptsache zur Hölle, wo sie hingehören."
Bob kniete am Boden und untersuchte die seltsamen Symbole, die dort eingeritzt waren. "Die Zeichen hier... das ist 'ne Art Sprache oder Karte." Seine Hände zitterten noch immer leicht, aber sein Wissensdurst schien seine Angst zu überwinden.
"Noch alles dran bei euch?" fragte Ezekiel, seine Stimme rau vom Schreien und dem allgegenwärtigen Staub.
"Leb' noch," keuchte Maggie. "Fühl mich aber beschissener als 'n Kojote unter 'nem Wagenrad."
"Was'n das für Teufelsdreck?" Peters Stimme zitterte, sein Gesicht war eine Maske aus Schweiß, Blut und Staub.
"Nichts, was in diese Welt gehört," antwortete Ezekiel grimmig.
Bob, der sich endlich gefangen hatte, machte ein paar unsichere Schritte durch den Raum. Plötzlich blieb er stehen, seine Augen weiteten sich hinter seinen staubbedeckten Brillengläsern. "Seht mal! Da drüben!"
Zwischen den Rauchschwaden, die noch immer von den getöteten Kreaturen zurückgeblieben waren, lagen verstreut Papiere – alte, vergilbte Seiten, vom Alter gewellt und an den Rändern angesengt. Ezekiel kniete nieder und hob sie vorsichtig auf, seine Finger zitterten leicht. Die Seiten waren leicht zu erkennen – das Papier war dasselbe wie das des Buches aus Michaels Laden in Larberg's Landing, und die Zeilen waren in derselben ordentlichen, aber fremdartig wirkenden spanischen Handschrift geschrieben.
"Das sind sie," sagte er leise, fast ehrfürchtig. "Die verdammten fehlenden Seiten."
Er begann, die Seiten zu ordnen, sorgfältig und methodisch, obwohl seine Hände vor Erschöpfung zitterten. Auch wenn er den Inhalt nicht lesen konnte, ergaben einige Teile, die sie auf dem Boden der Mine gefunden hatten, in Kombination mit den Teilen des Lederbuchs aus Michaels Laden, eine Art Landkarte oder Reiseroute.
"Die Karte scheint einen verborgenen Pfad tief in die Teufelsfinger hineinzuzeigen," murmelte Ezekiel, während er die Seiten studierte. Mehrere Markierungen waren auf der Karte eingezeichnet, sowie einige unleserliche Worte. "Ich habe keine Ahnung, wohin dieser Pfad führen mag, aber es scheint ein langer Weg zu sein, auf den man sich besser vorbereitet."
Maggie trat näher und betrachtete die Karte über seine Schulter. "Was auch immer am Ende dieses Pfades liegt, jemand hat sehr darauf geachtet, dass es nicht gefunden wird."
Ezekiel nickte grimmig. "Und wir werden es trotzdem finden."
Sie sammelten die Seiten ein und machten sich auf den Rückweg, ihr Schritt nun eiliger, da sie hatten, wonach sie gesucht hatten. Die Mine schien ihren Atem anzuhalten, als wäre sie enttäuscht, dass die Eindringlinge entkommen waren. Doch alle wussten, dass dies nur ein temporärer Sieg war – die wahre Herausforderung lag noch vor ihnen.
Aufbruch nach Wood's End
Als sie wieder das Tageslicht erreichten, erfüllte ein Gefühl der Erleichterung die Gruppe. Der Sandsturm hatte nachgelassen, doch der Himmel war noch immer von dunklen Wolken verhangen, die sich wie ein unheilvolles Omen über die Landschaft spannten.
"Gemeinsam reisen wir wieder nach Wood's End," entschied Ezekiel, während er die wertvollen Seiten sorgfältig in seiner Jacke verstaute. "Dort können wir uns auf die nächste Etappe unserer Reise vorbereiten."
Die Rückreise war beschwerlich. Als sie die Clayton-Brücke erreichten, stellten sie fest, dass sie vor kurzem gesprengt worden war. Die verkohlten Überreste der einst soliden Konstruktion ragten aus dem Wasser wie die gebrochenen Knochen eines riesigen Tieres.
"Wer zum Teufel macht so etwas?" fragte Bob, während er auf die Zerstörung starrte.
"Jemand, der nicht will, dass wir weiterkommen," antwortete Ezekiel düster. "Jemand, der weiß, wohin wir gehen."
Erschüttert und beunruhigt machten sie sich auf die Suche nach einer anderen Möglichkeit, den Fluss zu überqueren. Sie ritten flussaufwärts, immer auf der Suche nach einer seichten Stelle, an der sie hindurchreiten konnten. Schließlich fanden sie eine Furt, an der das Wasser flach genug war, um sie zu durchqueren.
Klitschnass und frierend erreichten sie das andere Ufer. Die Nacht brach herein, und sie beschlossen, ein Lager aufzuschlagen, um sich zu trocknen und zu wärmen. In der Stille der Nacht schienen die Stimmen lauter zu werden, flüsterten durch die Dunkelheit wie böse Geister, die um das Lagerfeuer kreisten. Niemand sprach darüber, aber sie alle hörten es – ein unheimliches Wispern, das direkt in ihren Köpfen zu sein schien.
Am nächsten Tag brachen sie früh auf, entschlossen, Wood's End so schnell wie möglich zu erreichen. Die Landschaft, durch die sie ritten, schien sich zu verändern, wurde karger und feindseliger, als würde die Natur selbst sie warnen, umzukehren. Doch sie ritten weiter, getrieben von der Notwendigkeit, die Geheimnisse zu lüften, die in den Seiten des Buches verborgen lagen.
Als sie schließlich am Horizont die Umrisse von Wood's End erblickten, war es, als würde eine Last von ihren Schultern fallen. Die Stadt, so rau und unbarmherzig sie auch sein mochte, bot zumindest den Anschein von Zivilisation und Sicherheit – ein trügerischer Anschein, wie sie alle wussten, aber in diesem Moment willkommen.
Sie ritten in die Stadt ein, erschöpft und schmutzig von der langen Reise. Die Bewohner von Wood's End starrten sie an, ihre Blicke eine Mischung aus Neugier und Misstrauen. In dieser harten Gegend überlebten nur die Stärksten, und Fremde wurden stets mit Vorsicht betrachtet.
Während sie ihre Pferde zum Stall führten, bemerkte Ezekiel in der Ferne eine vertraute Gestalt. An einem Lagerfeuer am Rand der Stadt saß Ethan Smasher, ein Mann, den er von früheren Begegnungen kannte. Um ihn herum hatte sich eine kleine Menschenmenge versammelt, die seinen Geschichten lauschte.
Alte Bekanntschaft
"Wartet hier," sagte Ezekiel zu den anderen. "Ich muss mit jemandem sprechen."
Er näherte sich dem Lagerfeuer, während Ethan gerade einer kleinen Gruppe von Zuhörern von seinen Erfahrungen in der Peacock-Mine berichtete. Als Ethan ihn bemerkte, unterbrach er seine Erzählung und erhob sich, Überraschung zeichnete sich auf seinem wettergegerbten Gesicht ab.
"Beim Teufel, der Blonde!" rief Ethan und spuckte seinen Kautabak in den Staub. "Hätt' nicht gedacht, dass ich deine Visage nochmal zu Gesicht bekomm'."
"Ethan," erwiderte Ezekiel knapp und nahm die ausgestreckte Hand des Schürfers. Ethans Griff war fest, seine Hände voller Schwielen vom harten Leben in den Minen.
Die beiden Männer traten etwas abseits vom Lagerfeuer. Ethan zog einen abgegriffenen Beutel Kautabak aus seiner Weste und bot Ezekiel etwas an, der mit einer knappen Handbewegung ablehnte.
"Was zum Henker treibt dich in diese Gegend, Blonder?" fragte Ethan, während er sich selbst einen Klumpen Tabak in die Wange schob. "Siehst aus, als hätt' dich 'n Grizzly zum Frühstück gekaut und wieder ausgespuckt."
"War unterwegs," sagte Ezekiel wortkarg. Er deutete mit dem Kinn auf Ethans vernarbtes Gesicht. "Sieht aus, als ging's dir nicht besser."
"Hmpf." Ethan spuckte einen langen Strahl braunen Safts auf den staubigen Boden. "Die verdammte Peacock-Mine hat's in sich, das sag ich dir. Spinnen dort drin, größer als mein Hund. Haben mir 'n paar Löcher in den Balg gerissen." Er deutete auf eine frische Narbe an seinem Hals. "Musste mir sogar die Nase wieder annähen lassen. Fiel einfach ab wie 'n überreifer Apfel."
"Übel," sagte Ezekiel anerkennend.
"Und du? Hab dich für 'n schlaueren Kerl gehalten, als dass du dich in diesem Dreckloch blicken lässt." Ethan taxierte ihn mit zusammengekniffenen Augen. "Musst 'n verdammt guten Grund haben."
Ezekiel zögerte einen Moment. "Waren in der Johnson Mine. Nördlich von hier."
Ethans buschige Augenbrauen zogen sich zusammen. "Johnson Mine? Nie davon gehört. Was gibt's da zu holen, außer Ärger?"
"Nicht Gold," sagte Ezekiel leise. "Etwas anderes."
Ethan musterte ihn mit neuem Interesse. "Darkstone?"
"Vielleicht. Aber da ist mehr." Ezekiel schaute kurz zum dunklen Himmel hinauf. "Hast du die Wolken bemerkt? Die, die von Osten kommen?"
Ethan folgte seinem Blick und nickte langsam. "Verdammt eigenartig, diese Wolken. Werden jeden Tag dunkler. Kein Regen, kein Wind - nur diese schwarze Brühe am Himmel."
"Haben 'ne Karte gefunden," sagte Ezekiel, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. "Führt tief in die Teufelsfinger. Was auch immer diese Wolken macht, wir glauben, es kommt von dort."
Ethan kratzte sich am Kinn, das Geräusch seiner rauen Finger auf dem Bartstoppeln war wie Sandpapier. "Die Teufelsfinger sind kein Ort für Christenmenschen, Blonder. Selbst die verdammten Schwarzzahn-Indianer halten sich von dort fern, und die sind sonst scharf wie die Pocken auf weißes Fleisch."
"Müssen trotzdem hin."
Ethan betrachtete ihn einen langen Moment, bevor er wieder ausspuckte. "Du warst schon immer ein Dickkopf, Blonder." Er klopfte ihm kurz auf die Schulter. "Bin dem alten Peacock noch 'n paar Nuggets schuldig. Muss zurück in seine Mine. Aber wenn du jemals mit all deinen Gliedmaßen zurückkommst, steht 'ne Flasche Feuerwasser für dich bereit."
"Bis dahin," sagte Ezekiel und wandte sich zum Gehen.
"Hey," rief Ethan ihm nach. "Pass auf deinen Skalp auf. Was auch immer in diesen Bergen hockt... dagegen sind meine Spinnen wie zahme Kätzchen."
Ezekiel nickte knapp und kehrte zu seiner Gruppe zurück. Die Dunkelheit hatte sich inzwischen wie ein Leichentuch über Wood's End gelegt, und die unnatürlichen Wolken verschluckten jeden Stern am Himmel. Sie hatten einen weiten Weg vor sich, und was am Ende auf sie wartete, war schlimmer als alles, was sie sich vorstellen konnten.
Vorbereitung auf die Reise
Am Morgen nach seinem nächtlichen Gespräch mit Ethan Smasher traf Ezekiel die anderen auf der staubigen Hauptstraße von Wood's End, wo Maggie und die drei Söldner bereits auf ihn warteten. Die Morgensonne beleuchtete die ruhige, bescheidene Siedlung, in der nur wenige Leute unterwegs waren. Ein paar Händler boten ihre Waren an, während andere Bewohner damit beschäftigt waren, notwendige Reparaturen an ihren Behausungen durchzuführen. Seit der Vertreibung der Hitchcock-Bande und der Erschließung der Peacock-Mine hatte Wood's End eine gewisse Stabilität gewonnen, auch wenn die Stadt klein und abgelegen blieb.
Bob, der jüngste der drei Söldner, blätterte nervös in einem abgegriffenen Notizbuch. Seine Finger wanderten über verblasste Einträge und hastig gekritzelte Notizen. "Also sind wir nicht die Einzigen, die von den Minen heimgesucht werden", murmelte er und kratzte sich am Kinn. "Interessant... sehr interessant."
"Hör auf mit deinem verdammten Gefasel, Bob", knurrte Justus. "Wenn du jedes Loch in diesem gottverlassenen Land katalogisieren willst, sind wir alle längst verreckt, bevor du fertig bist."
Peter, der dritte im Bunde, spielte nervös mit seinem Messer. "Die Stadt mag etwas stabiler sein als früher, aber die Teufelsfinger sind trotzdem kein Ort für normale Menschen."
In diesem Moment schritt Doc Fellner an ihnen vorbei, eine frische Bandage in der Hand. Der Arzt wirkte aufmerksam und sachlich, während er seine Tasche mit Verbandsmaterial trug. Er hatte sich aus beruflichem Interesse in dieser Gegend niedergelassen, in der Hoffnung, neue medizinische Erfahrungen zu sammeln und seine Fertigkeiten an einem anderen Ort einzusetzen.
Ezekiel blickte zu einer kleinen Kapelle am Ende der Straße. Die Holzkirche, bescheiden und unscheinbar, war gerade mit einigen neuen Brettern ausgebessert worden. Ihre verwitterten Wände zeugten von der Mühe, wenigstens diesen Ort des Trostes zu erhalten.
"Wir brechen morgen in der Frühe auf", sagte er entschlossen. "Heute werde ich noch in die Kirche gehen. Ein Mann sollte seine Seele in Ordnung bringen, bevor er sich in die Hölle wagt."
Ein Segen von Father Maddes
Die Kirchenglocke läutete dumpf, als Ezekiel die schlichte Holztür der Kapelle aufstieß. Der staubige Boden knirschte unter seinen Stiefeln, und der Geruch von Kerzenwachs und altem Holz erfüllte seine Nase. Father Maddes, ein Mann mittleren Alters mit sanften Augen und einem abgetragenen Priestergewand, stand am Altar und blickte auf.
"Willkommen, mein Sohn", sagte der Priester mit einer Stimme, die klang, als hätte er zu viele Predigten in zu leeren Kirchen gehalten. "Was führt dich in das Haus des Herrn?"
Ezekiel zog seinen Hut vom Kopf und hielt ihn vor seine Brust, eine Geste des Respekts, die er selten zeigte. "Brauche einen Segen, Vater", sagte er kurz angebunden. "Reise morgen in die Teufelsfinger. Könnte jede Hilfe gebrauchen."
Father Maddes' Augen weiteten sich. "Die Teufelsfinger? Mein Sohn, das ist kein Ort für Christenmenschen." Er trat näher, sein Gesicht nun deutlich im flackernden Kerzenlicht. "Aber ich sehe in deinen Augen, dass dein Entschluss feststeht. Komm, knie nieder."
Ezekiel kniete schwerfällig am Altar nieder und senkte den Kopf. Die Holzdielen unter seinen Knien knarrten, als trügen sie die Last seiner Sünden. Father Maddes legte seine Hände auf Ezekiels Kopf, und sie fühlten sich seltsam schwer an, als trügen sie das Gewicht göttlicher Verantwortung.
"Der Herr behüte dich auf allen deinen Wegen", begann der Priester, seine Stimme wurde tiefer und hallte von den Wänden der kleinen Kirche wider. "Er bewahre deine Seele vor dem Bösen, das in der Dunkelheit lauert. Mögen deine Augen klar sehen, wenn andere blind sind; möge dein Herz stark bleiben, wenn andere verzagen."
Ezekiel spürte eine seltsame Wärme durch seinen Körper fließen, ein Gefühl, das er seit Jahren nicht mehr erlebt hatte. Es war, als würde eine unsichtbare Hand die Dunkelheit wegwischen, die sich wie ein Schleier um sein Herz gelegt hatte.
"Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, segne ich dich, Ezekiel. Geh mit Gott, mein Sohn."
Als Ezekiel sich erhob, fühlte er sich leichter, klarer. Er griff in seine Tasche und legte ein paar Goldmünzen auf den Altar. "Für die Gemeinde", murmelte er.
Father Maddes nickte dankbar. "Pass auf dich auf. Der Herr sei mit dir."
Ein unerwarteter Gefährte
Als Ezekiel aus der Kirche trat, hatte die Nacht den Himmel übernommen. Die Sterne waren kaum zu sehen. Er machte sich auf den Weg zum Saloon, wo er noch einen Whiskey trinken wollte, bevor er ins Hotel zurückkehrte.
Vor dem schäbigen Gebäude hatte sich eine kleine Menschenmenge versammelt. Ein betrunkener Cowboy, groß und breitschultrig, mit ungekämmtem Bart und blutunterlaufenen Augen, hielt einen abgemagerten Hund an einem zerschlissenen Strick. Der Hund, mit struppigem Fell und einer auffälligen Narbe über dem rechten Auge, duckte sich ängstlich, während der Betrunkene mit dem Stiefel nach ihm trat.
"Nutzloses Vieh!" lallte der Mann und zog brutal am Strick. "Nich' mal fett genug, um dich zu fressen!"
Die Umstehenden lachten, niemand griff ein. Der Hund winselte leise, als der Betrunkene ausholte, um ihn erneut zu treten.
"Das reicht," sagte Ezekiel ruhig und trat vor. Seine Hand ruhte locker auf dem Griff seines Revolvers.
Der Betrunkene wirbelte herum, schwankte dabei gefährlich. "Was willst du, Fremder? Ist mein verdammter Köter, kann mit ihm machen, was ich will."
"Nicht mehr," erwiderte Ezekiel, seine Stimme war kalt wie Stahl. "Lass ihn los."
Der Betrunkene spuckte auf den Boden. "Hau ab, bevor ich dir deine hübsche Visage einschlage." Er ließ den Strick los, um nach Ezekiel zu greifen.
Mit einer Geschwindigkeit, die keiner der Anwesenden erwartet hätte, zog Ezekiel seinen Revolver und schlug dem Mann mit dem Griff hart gegen die Schläfe. Der Betrunkene taumelte, Blut lief aus einer klaffenden Wunde, und er fiel wie ein gefällter Baum zu Boden.
Die Menge wich zurück, einige flüchteten in den Saloon. Der Hund kauerte zitternd am Boden, der Strick schleifte im Staub.
Ezekiel steckte seinen Revolver weg und betrachtete den Hund. Das Tier schaute zu ihm auf, in seinen Augen lag eine Mischung aus Angst und vorsichtiger Hoffnung.
"Komm her," sagte Ezekiel ruhig und kniete sich hin. Der Hund zögerte, kam dann aber langsam näher, den Bauch dicht am Boden. Ezekiel streckte vorsichtig eine Hand aus und ließ den Hund daran schnuppern.
Nach einem Moment leckte der Hund seine Finger und wedelte leicht mit dem Schwanz. Ezekiel löste den Strick vom Hals des Tieres und strich über den zerzausten Kopf.
"Na komm," sagte er schließlich. "Besser als bei diesem Hurensohn zu bleiben."
Der Hund folgte ihm auf Schritt und Tritt, als Ezekiel sich auf den Weg zum Saloon machte, wo er mit Maggie und den Söldnern verabredet war, um die morgige Abreise zu besprechen.
Im rauchgeschwängerten Saloon saß Maggie bereits an einem Tisch in der hinteren Ecke, ihr Gewehr griffbereit neben sich. Die drei angeheuerten Söldner hatten sich zu ihr gesellt – Justus, der Anführer, studierte konzentriert eine Karte; Bob, der Brillenträger, war in ein dickes Notizbuch vertieft; und Peter, der Nervöseste der drei, spielte unruhig mit seinem Messer.
Alle blickten auf, als Ezekiel eintrat, den struppigen Hund auf den Fersen.
"Verdammt nochmal, Ezekiel," knurrte Maggie, "was schleppst du denn da an?"
Die drei Söldner tauschten Blicke aus, und Peter rückte merklich von der Tür weg, als der Hund den Raum betrat.
"Hab ihn von 'nem besoffenen Hurensohn gerettet," erklärte Ezekiel knapp. "Scheint mir zu folgen."
"Und was willst du mit 'nem Hund auf dieser Suizidmission anfangen?" fragte Maggie skeptisch. "Haben schon genug Probleme ohne 'ne verfressene Töle."
Der Hund blickte zu ihr auf, als hätte er jedes Wort verstanden. Seine Augen waren erstaunlich intelligent und wachsam.
"Braucht 'nen Namen," sagte Maggie und betrachtete den Hund genauer.
"Herry," sagte Ezekiel nach einem Moment des Nachdenkens. "Er sieht aus wie 'n Herry."
Der Hund bellte kurz, als hätte er dem Namen zugestimmt.
"Na dann," seufzte Maggie und nahm einen tiefen Schluck aus ihrem Whiskeyglas. "Willkommen in der Mannschaft, Herry. Hoffentlich schmeckst du den Indianern nicht."
Heilende Hände
Während Ezekiel in der Kirche war, hatte sich Maggie erneut zum Lazarett von Doc Fellner begeben. Die Wunden, die sie in der Johnson Mine erlitten hatte, waren schlimmer, als sie zugeben wollte. Besonders der Schnitt an ihrem Arm, wo einer der Tentakel sie gepackt hatte, wollte nicht recht heilen.
Das Lazarett von Wood's End war eines der neueren Gebäude der aufstrebenden Stadt. Im Gegensatz zu den provisorischen Bauten, die zuvor als Krankenstation gedient hatten, war Fellners Praxis gut ausgestattet und überraschend ordentlich.
Doc Fellner stand über einen Tisch gebeugt und sortierte chirurgische Instrumente, als Maggie eintrat. Er blickte auf, ein energisches Lächeln erhellte sein Gesicht.
"Miss O'Connel."
Maggie nickte knapp und krempelte ihren Ärmel hoch. Die Wunde sah schlimmer aus als bei ihrem letzten Besuch – die Ränder hatten eine ungesunde, bläuliche Färbung angenommen, und feine, dunkle Adern breiteten sich von der Verletzung aus.
Doc Fellners Miene wurde sofort ernst. Er trat näher, sein Blick konzentriert. "Die Infektion hat sich verschlimmert." Er tastete vorsichtig die Ränder der Verletzung ab. "Was auch immer sie verursacht hat, es war nichts Gewöhnliches."
"Ist auch kein gewöhnlicher Schnitt," erwiderte Maggie.
"Sehe ich," nickte Fellner. Er ließ ihre Wunde nicht aus den Augen. "Sie haben Glück, dass ich hier bin. In dieser Gegend gibt es nicht viele, die wissen, wie man mit... ungewöhnlichen Infektionen umgeht."
Er ging zu einem Schrank und holte verschiedene Flaschen, Verbände und Instrumente hervor. "Ich muss die Wunde neu reinigen und die infizierten Gewebe entfernen. Es wird nicht angenehm."
"Tu, was nötig ist," sagte Maggie. "Hab keine Zeit für Zimperlichkeiten."
Mit flinken, geübten Bewegungen begann Fellner zu arbeiten. Seine Hände waren präzise und sicher, sein Blick konzentriert. Der Schmerz schoss wie flüssiges Feuer durch Maggies Arm, doch sie biss die Zähne zusammen und gab keinen Laut von sich.
"Die meisten meiner Patienten wären längst ohnmächtig," bemerkte Fellner anerkennend, während er verfärbtes Gewebe entfernte. "Sie sind zäher als die meisten Männer, die ich behandle."
Er arbeitete weiter, seine Bewegungen energisch und methodisch. "Diese Wunde... sie zeigt Anzeichen, die ich noch nie gesehen habe. Die Verfärbung ist ungewöhnlich, fast als ob..." Er brach ab, konzentrierte sich auf einen besonders problematischen Bereich.
Fellner zog eine Flasche mit einer dunkelbraunen Flüssigkeit aus dem Schrank. "Eine spezielle Mischung – basierend auf traditionellen Kräutern, aber angereichert mit lokalen Heilpflanzen. Das wird brennen, aber es wirkt Wunder gegen Infektionen, die herkömmlichen Methoden widerstehen."
Maggie nickte knapp. "Mach schon."
Die Flüssigkeit brannte wie die Hölle selbst, als er sie über die Wunde goss. Maggie konnte einen unterdrückten Schrei nicht vermeiden, und ihre Finger krallten sich in die Kante des Stuhls, bis ihre Knöchel weiß hervortraten.
"Gut gemacht," lobte Fellner, während er die Wunde mit sauberen Bandagen verband. "Die Infektion ist schwer, aber wir kriegen sie in den Griff."
"Muss sie in den Griff kriegen," erwiderte Maggie, ihren schmerzenden Arm vorsichtig bewegend. "Brechen morgen auf."
"Sie sollten eigentlich hier bleiben und sich ausruhen," sagte der Arzt stirnrunzelnd. "Diese Wunde ist gefährlicher, als Sie vielleicht denken."
"Keine Zeit. Der Teufel wartet nicht."
Doc Fellner seufzte. "Sie Abenteurer seid alle gleich – immer auf dem Weg ins nächste Desaster." Er reichte ihr ein Bündel mit frischen Bandagen und eine kleine Flasche mit der braunen Flüssigkeit. "Einmal täglich auf die Wunde geben. Fünf Dollar für die Behandlung, drei für die Medizin."
Maggie zählte acht Silberdollar auf den Tisch. "Hier."
Fellner nahm das Geld entgegen. "Passen Sie auf diese Wunde auf. Wenn die Verfärbung sich über den Verband hinaus ausbreitet oder wenn Sie Fieber bekommen, kehren Sie sofort zurück. Manche Dinge kann man nicht mit bloßer Willenskraft bezwingen."
"Werd drauf achten," sagte Maggie und stand auf, ihren Arm vorsichtig an den Körper gepresst.
Als sie das Lazarett verließ, blickte Fellner ihr mit einem Ausdruck nach, der zwischen wissenschaftlicher Neugier und echter Besorgnis schwankte. Was auch immer Maggie in der Mine erwischt hatte – es war kein gewöhnlicher Feind, und alle medizinische Kunst der Welt könnte möglicherweise nicht ausreichen, um es zu besiegen.
Der Aufbruch
Am nächsten Morgen versammelten sich die fünf Reisenden am Stadtrand von Wood's End. Die Sonne kroch gerade über den Horizont, malte die Wüste in Schattierungen von Gold und Blutrot. Die Wolken hingen tief am östlichen Himmel, wie ein drohendes Versprechen auf das, was sie erwartete.
Ezekiel saß bereits auf seinem Pferd, Herry zu seinen Füßen. Der Hund wirkte ausgeruht und wachsam, seine Ohren zuckten bei jedem Geräusch. Maggie kam als Letzte, ihr Arm steif unter der Jacke verborgen, doch ihr Gesicht verriet nichts von dem Schmerz, den sie spürte.
"Alle bereit?", fragte Ezekiel, als sie sich zu ihm gesellte.
Justus, breitschultrig und mit wachsamen Augen, nickte knapp. "So bereit, wie man sein kann, wenn man in sein eigenes Grab reitet, verdammt nochmal."
Peter, der Impulsivste der drei Söldner, lachte nervös. "Scheiße, Justus, kannste nich' einmal dein gottverdammtes Maul halten?"
Bob, der Jüngste mit seinem ewigen Notizbuch, seufzte nur. "Sollte mir wohl besser Notizen machen. Könnte mein letztes verdammtes Gekritzel sein, bevor der Teufel meine Seele holt."
"Haltet eure Schnauzen, alle miteinander", knurrte Ezekiel. "Wir haben 'nen langen, beschissenen Ritt vor uns."
Mit diesen Worten trieb er sein Pferd an, und die kleine Gruppe setzte sich in Bewegung. Das Klappern der Hufe auf dem harten Boden war wie ein Countdown, der ihr Schicksal besiegelte. Die Stadt Wood's End wurde kleiner hinter ihnen, verschluckt von der endlosen Weite der Prärie.
Vor ihnen lag der Pfad, der zu den Teufelsfingern führte – ein Weg, von dem manche sagten, dass er geradewegs in die Hölle führte.

Die Reise zu den Teufelsfingern
Die Reise war beschwerlich und anstrengend. Die Sonne brannte erbarmungslos auf sie herab, und der Wind peitschte ihnen Sand und Staub ins Gesicht. Je näher sie den Teufelsfingern kamen, desto unruhiger wurden die Pferde, als spürten sie, dass sie sich einem Ort näherten, den sie besser meiden sollten.
Herry lief unermüdlich neben Ezekiels Pferd her, seine Nase stets am Boden, als würde er einer unsichtbaren Spur folgen. Gelegentlich blieb er stehen und knurrte leise in Richtung der Teufelsfinger, die sich am Horizont abzeichneten.
Am dritten Tag ihrer Reise erreichten sie die Ausläufer der Berge. Die schroffen, rötlichen Felsen erhoben sich wie drohende Finger aus der kargen Landschaft. Die Luft hier war still und trocken, die Umgebung leblos bis auf vereinzelte Geier, die hoch am Himmel ihre Kreise zogen.
"Verdammte Scheiße", flüsterte Bob, als er den Kopf in den Nacken legte, um die Felsformationen zu betrachten. "Das sieht aus wie... wie verfluchte Grabsteine für Giganten."
"Halt die Klappe, Bob", zischte Peter, doch seine eigene Stimme zitterte leicht. "Sind nur verdammte Felsen."
"Nein", sagte Justus leise, sein Blick war ernst und wachsam. "Das sind keine gewöhnlichen Felsen. Spürt ihr das nicht? Die Luft... sie fühlt sich anders an."
Maggie nickte stumm. Der Schmerz in ihrem Arm war schlimmer geworden, und die bläuliche Färbung hatte sich weiter ausgebreitet. Sie hatte es niemandem gesagt, aber in der Nacht hatte sie geschworen, dass die Wunde im Dunkeln schwach pulsierte, als hätte sie einen eigenen Herzschlag.
"Wir sollten uns beeilen", sagte Ezekiel, der die plötzliche Anspannung spürte. "Laut der Karte müssen wir nach einem bestimmten Felsvorsprung suchen, der uns den Weg weisen wird."
Sie ritten entlang der imposanten Felswand, während sie nach den Markierungen suchten, die auf der Karte verzeichnet waren. Die Felsen schienen alle gleich, doch Ezekiel wusste, dass sie aufmerksam bleiben mussten. Die Karte war ihr einziger Wegweiser durch dieses Labyrinth aus Stein.
Nach Stunden des Suchens entdeckte Maggie schließlich ein seltsames Muster im Fels – genau wie auf der Karte beschrieben. "Dort!", rief sie und deutete auf eine Stelle, wo die Felsen eine natürliche Einbuchtung bildeten.
Sie banden ihre Pferde an und näherten sich zu Fuß der Stelle. Zwischen zwei gewaltigen Felsblöcken entdeckten sie einen schmalen Spalt, kaum breit genug für einen Mann. Ohne die Karte hätten sie ihn vermutlich übersehen.
"Das muss es sein", murmelte Ezekiel. "Der Eingang zu den Teufelsfingern."
Akt 2: Die Teufelsfinger
Der Eingang zum Albtraum
Der schmale Spalt zwischen den Felsen führte in eine düstere Höhle. Die Luft hier drinnen war seltsam - nicht kühl und trocken, wie man es erwarten würde, sondern bedrückend und mit einem merkwürdigen Geruch erfüllt, der an Metall und verbranntes Haar erinnerte.
"Die Bluthunde von Wood's End schrecken vor nichts zurück", verkündete Peter mit aufgesetzter Courage und schwenkte seine Laterne in die Dunkelheit. Von den drei Söldnern war er stets der Impulsivste, immer bereit, ohne nachzudenken ins Unbekannte zu stürmen.
Justus, der Anführer der Bluthunde, rollte mit den Augen. "Halt die Klappe und pass auf, wohin du trittst." Anders als sein heißsporniger Kollege neigte Justus dazu, erst zu denken und dann zu handeln, auch wenn seine Analysen selten so tiefsinnig waren, wie er selbst glaubte.
Bob hingegen war bereits damit beschäftigt, in seinem abgegriffenen Notizbuch Skizzen vom Höhleneingang anzufertigen. "Alles muss dokumentiert werden", murmelte er, mehr zu sich selbst als zu den anderen. Seine Sammelwut für Informationen jeder Art grenzte an Besessenheit.
"Peter, du gehst voran und siehst dich um", sagte Ezekiel und deutete in die Dunkelheit. "Wir halten die Flanken."
Peter warf ihm einen finsteren Blick zu. "Warum zum Teufel immer ich?"
"Weil du's Maul am weitesten aufreißt", erwiderte Ezekiel kalt. "Also beweg deinen Arsch da rein, bevor ich ihn für dich bewege."
Mit einem unterdrückten Fluch nahm Peter die Laterne und ging vorsichtig voran. Das Licht enthüllte einen weitläufigen Tunnel, der sich tief in den Berg hinein erstreckte. Die Wände glänzten feucht, und seltsame Mineralien reflektierten das Licht in unheimlichen Farben.
Plötzlich blieb Peter stehen, ein merkwürdiger Ausdruck auf seinem Gesicht. "Da ist was in der Luft", sagte er und schnupperte. "Riecht ihr das nicht?"
Bevor jemand antworten konnte, stieß Peter einen markerschütternden Schrei aus. Er taumelte zurück, die Laterne fiel klirrend zu Boden, das Licht flackerte wild. Seine Hände flogen zu seinem Gesicht, das sich im schwachen Schein rot und wütend verfärbt hatte.
"BRENNT! ES BRENNT, VERDAMMT!" brüllte er und fiel zu Boden, die Hände verzweifelt gegen sein qualmendes Gesicht gepresst.
Justus war sofort an seiner Seite, zog eine Wasserflasche hervor und goss ihren Inhalt über Peters verätztes Gesicht. "Was ist passiert? Was hast du gesehen?"
"Dämpfe", keuchte Peter, seine Stimme heiser vor Schmerz. "Unsichtbare... verdammte... Dämpfe. Wie flüssiges Feuer auf der Haut!"
Ezekiel tauschte einen Blick mit Maggie. "Saure Dämpfe", murmelte sie. "Hab davon gehört. In manchen Höhlen gibt's natürliche Säure, die aus dem Gestein sickert."
"Aber nicht unsichtbar", widersprach Justus und untersuchte Peters verätzte Haut. "Und nicht so verdammt ätzend."
Bob war schon dabei, die Verletzung und mögliche Ursachen in seinem Notizbuch festzuhalten. "Faszinierend. Könnte ein bisher unbekanntes chemisches Phänomen sein. Ich sollte Proben nehmen." Sein wissenschaftlicher Eifer war selbst angesichts von Peters Leiden ungebrochen.
"Halt dein verdammtes Maul, Bob!" zischte Peter durch zusammengebissene Zähne. Die Haut seines Gesichts war rot und wund, an manchen Stellen bildeten sich bereits Blasen. "Ich bin kein gottverdammtes Forschungsobjekt!"
Mit Justus' Hilfe schaffte es Peter zurück auf die Beine, sein Gesicht notdürftig mit einem nassen Tuch bedeckt. Der Schock hatte seinen üblichen Draufgängermut gedämpft, und er hielt sich nun deutlich zurück.
"Was auch immer es ist", sagte Ezekiel grimmig, "wir müssen weiter. Die Karte führt uns durch diese Höhle zu den Canyons dahinter. Aber jetzt wissen wir, dass wir vorsichtig sein müssen."
Vor ihnen öffnete sich der enge Gang zu einer gewaltigen Höhle. Die Decke verlor sich in der Dunkelheit, und der feuchte Boden glitzerte im Licht ihrer Laternen. Die Luft war schwer und flimmerte leicht, als würde sie von einer unsichtbaren Hitze verzerrt.
"Diese verdammte Höhle will uns töten", murmelte Justus, während er wachsam jeden Schatten beobachtete. Die Bluthunde von Wood's End hatten schon einiges erlebt, aber dies hier war etwas anderes.
Durch die Stille der Höhle drang plötzlich ein leises Wispern, kaum hörbar, wie ferne Stimmen, die miteinander sprachen.
"Hört ihr das?", fragte Bob, sein Notizbuch vergessen in der Hand.
Herry knurrte leise, seine Ohren flach an den Kopf gelegt. Seine Augen starrten in die Dunkelheit, als könnte er etwas erkennen, das den Menschen verborgen blieb.
Der erste Verlust
Nach einer kurzen Beratung entschieden sie, dass Maggie mit ihrem langen Gewehr die beste Wahl für die Vorhut war. Mit einem Tuch vor dem Gesicht betrat sie vorsichtig die Höhle, die Waffe im Anschlag. Die anderen folgten in gebührendem Abstand, Herry dicht an Ezekiel's Fersen.
Das Innere der Höhle war seltsam strukturiert. Natürliche Felsformationen wechselten sich mit Abschnitten ab, die eindeutig von Menschenhand geschaffen waren – glatte Wände, in die fremdartige Symbole geritzt waren, und an manchen Stellen sogar Pflastersteine, die einen gezielten Pfad bildeten.
"Muss 'ne alte Indianerhöhle sein", flüsterte Bob und machte hastige Notizen. "Diese Zeichen... hab sowas noch nie gesehen."
"Halt die Klappe und beweg dich", zischte Ezekiel. "Je tiefer wir reingehen, desto schlimmer wird's."
Sie folgten dem unheimlichen Pfad tiefer in den Berg hinein. Die Luft wurde schwerer, und ein permanentes, tiefes Summen schien die Wände selbst vibrieren zu lassen. Ihre Fackeln warfen zuckende Schatten an die Wände, die manchmal wie eigene Wesen wirkten, die sich unabhängig von ihnen bewegten.
Peter, der sich inzwischen etwas erholt hatte und darauf bestand, seine Männlichkeit zu beweisen, schritt nun wieder voran. "Werd diesem Höllenloch zeigen, wer hier der Boss ist", murmelte er, doch die Bravour in seiner Stimme wirkte aufgesetzt.
"Peter, warte!", rief Justus plötzlich, doch es war zu spät.
Ein metallisches Schnappen durchschnitt die Luft, gefolgt von einem entsetzlichen Schrei. Peter stand wie erstarrt da, sein Gesicht eine Maske des ungläubigen Entsetzens. Eine massive Bärenfalle hatte sich in seinem Bein geschlossen, die rostigen Metallzähne tief in sein Fleisch gegraben.
"GOTTVERDAMMT!", brüllte er, bevor er auf die Knie fiel, sein Gesicht kreidebleich vor Schock.
Die anderen stürzten zu ihm. Die Falle war riesig, ihre Zähne länger als Messer, die tief in sein Fleisch eingeschnitten hatten.
"Heilige Scheiße," keuchte Justus, als er die Wunde im Licht der Fackel untersuchte. Blut pulsierte in dicken Strömen aus Peters zerfetztem Bein. "Die Schlagader... sie hat die verdammte Schlagader erwischt!"
Ezekiel und Justus versuchten verzweifelt, die massiven Kiefer der Falle zu öffnen, während Bob hastig in seinem Rucksack nach Verbandsmaterial suchte. Doch die Falle gab nicht nach, und Peters Gesicht wurde zunehmend grauer, während sein Lebenssaft in alarmierender Geschwindigkeit aus seinem Körper strömte.
"Mein Bein", flüsterte er, seine Stimme kaum noch hörbar. "Ich... ich spür's nicht mehr... wird so verdammt kalt..."
Maggie kniete sich neben ihn und legte eine Hand auf seine Stirn. "Er verblutet", sagte sie leise. "Verliert zu viel Blut, zu schnell. Es ist zu spät."
Peter griff nach Ezekiel's Arm, seine Finger gruben sich verzweifelt in den Stoff. "Erschieß mich", keuchte er. "Tu's jetzt, verdammt nochmal. Ich will nicht... nicht so..."
Ezekiel sah in Peters Augen, die vor Schmerz und Angst geweitet waren. Ohne ein Wort zog er seinen Revolver und legte den Lauf an Peters Schläfe.
"Denn so spricht der Herr: Siehe, ich gebe dich in die Hand derer, die du hasst, in die Hand derer, von denen deine Seele sich jäh abgewandt hat," sagte er leise.
Der Schuss hallte durch die Höhle wie ein Urteil, und Peters Körper fiel leblos zu Boden, das Blut bildete eine stetig wachsende Lache unter seinem zerfetzten Bein.
Eine schwere Stille legte sich über die Gruppe. Herry winselte leise und leckte über Peters Hand, als könnte er ihn zurück ins Leben rufen.
"Wir sollten umkehren", sagte Bob mit zitternder Stimme. "Diese Hölle wird uns alle verschlingen."
"Nein", sagte Ezekiel hart. "Wir gehen weiter. Was auch immer hier verborgen ist, es muss gefunden werden." Er sah die anderen an. "Ich verdopple den Sold. Für jeden, der überlebt."
Justus und Bob tauschten einen Blick, dann nickte Justus grimmig. "Für Peter. Was immer hier lauert, soll bezahlen."
Sie begruben Peters Leiche notdürftig unter einem Steinhaufen, markierten die Stelle mit einem improvisierten Kreuz aus zwei Stöcken, und setzten ihren Weg fort, nun langsamer und vorsichtiger. Die Gänge der Höhle wanden sich scheinbar endlos durch den Berg, ein Labyrinth aus Schatten und Flüstern.
Die endlosen Gänge
Die Tunnel schienen kein Ende zu nehmen. Sie wanden sich wie die Eingeweide eines gigantischen Wesens durch den Berg, mal eng und erstickend, dann wieder weiteten sie sich zu gewaltigen Kammern, deren Decken im Licht ihrer Fackeln nicht zu erkennen waren.
Die Luft wurde zunehmend dicker, durchsetzt mit einem feinen, metallischen Staub, der in ihren Lungen brannte und ihre Augen tränen ließ.
"Diese Höhle wurde nicht nur von Menschenhand geschaffen", murmelte Justus, der mit geübtem Auge die Wände untersuchte. "Manche dieser Tunnel... sie sehen aus, als hätte sich etwas hindurchgefressen."
"Schweig still, Justus", zischte Ezekiel. "Die Wände haben Ohren."
Sie alle spürten es – das Gefühl, beobachtet zu werden. Es war, als würde die Dunkelheit selbst sie belauern, als wartete etwas in den Schatten auf den richtigen Moment, um zuzuschlagen.
In der Ferne erblickten sie schließlich einen schwachen Lichtschimmer. Ein fahler, blaugrüner Schein, der nicht von ihren Fackeln stammen konnte. Maggie hob ihr Gewehr, während sie sich vorsichtig näherten.
Doch bevor sie das Licht erreichen konnten, erklang ein schrilles Quieken, und aus den Schatten stürmten plötzlich Dutzende von Ratten. Nicht gewöhnliche Ratten – diese waren größer, mit glühenden Augen und unnatürlich langen Zähnen. Sie strömten wie eine lebende Flut auf die Gruppe zu.
"RATTEN!", schrie Bob und wich zurück, doch die Nagetiere waren schnell und zielstrebig.
Maggie zögerte nicht. Mit kalter Präzision legte sie ihr Jagdgewehr an und feuerte in die Masse der angreifenden Tiere. Die Schüsse hallten ohrenbetäubend durch den engen Gang, und mehrere Ratten wurden buchstäblich in Stücke gerissen. Blut und Fleischfetzen spritzten an die Wände, doch die übrigen Tiere ließen sich nicht abschrecken.
"Zurück!", rief Justus und feuerte ebenfalls seinen Revolver ab. "Sie sind zu viele!"
Ezekiel zog seinen Revolver und schoss mit tödlicher Genauigkeit. Jeder Schuss fand sein Ziel, doch für jede getötete Ratte schienen zwei neue nachzurücken.
Herry bellte wütend und sprang nach vorn, packte eine besonders große Ratte mit seinen Zähnen und schüttelte sie, bis ihr Genick brach. Doch auch er war gegen die schiere Übermacht machtlos.
Maggie lud nach und feuerte erneut, diesmal noch präziser. Ihr Schuss durchschlug mehrere Ratten auf einmal und ließ sie quiekend zu Boden fallen. Mit eiskalter Ruhe leerte sie ihr Magazin, bis der Boden vor ihnen mit toten Nagetieren übersät war.
Die überlebenden Ratten zogen sich zurück, verschwanden so plötzlich in den Schatten, wie sie gekommen waren. Zurück blieb der beißende Geruch von Schießpulver und Blut.
"Verdammte Höllenviecher", keuchte Justus und lud sein Revolver nach. "Ich hab noch nie Ratten gesehen, die so gezielt angreifen."
"Die wurden geschickt", sagte Ezekiel düster. "Von was oder wem auch immer hier unten lauert."
Sie setzten ihren Weg fort, erreichten schließlich das seltsame Licht. Es kam aus einer natürlichen Öffnung in der Höhlendecke, durch die ein schmaler Streifen Tageslicht fiel. Doch das Licht selbst war verdreht, als würde es durch ein unsichtbares Prisma gebrochen, das ihm diese unnatürliche Färbung verlieh.
Der Canyon der Toten
Sie traten durch einen letzten, engen Durchgang und fanden sich plötzlich unter freiem Himmel wieder. Vor ihnen erhob sich ein enger, schmaler Canyon, dessen rotgoldene Wände sich hoch über ihre Köpfe auftürmten und den Himmel zu einem schmalen blauen Streifen zusammenschoben.
Das Gestein war von Wind und Wasser glatt poliert, wirkte lebendig, als atme es, als flüstere es uralte Geschichten. In den schattigen Falten der Schlucht hing kühle Luft, durchzogen vom würzigen Geruch von Sand und Stein.
Über den Pfad spannte sich an manchen Stellen totes, verdrehtes Holz – stille Zeugen von Sturzfluten, die einst durch diese Gassen gewütet hatten. Das Sonnenlicht, das in feinen Strahlen durch die Ritzen drang, ließ den roten Sandboden in goldenen Funken glitzern. Jeder Schritt hallte dumpf wider und wurde von den schroffen Wänden verschluckt.
Es war ein Ort der Stille und des Schattens, der zugleich ehrfürchtig und bedrohlich wirkte.

"Bei allen verdammten Geistern," flüsterte Maggie, während sie in den Canyon starrte. "Fühlt sich an, als würden uns tausend Augen beobachten."
Sie hatte recht. Ein unheimliches Gefühl legte sich auf die kleine Gruppe, als würde jeder ihrer Schritte von unsichtbaren Wächtern verfolgt. Selbst Justus, der normalerweise jeden Aberglauben mit Verachtung strafte, bewegte sich mit ungewohnter Vorsicht.
"Das hier gefällt mir nicht," murmelte er und ließ seinen Blick misstrauisch über die hohen Felswände schweifen. "Zu viele Verstecke für einen Hinterhalt."
Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, als ein Poltern zu hören war. Kleine Steine und Geröll fielen plötzlich von den Wänden, prasselten vor und hinter ihnen auf den Boden.
"Runter!" brüllte Ezekiel und warf sich zu Boden, während ein faustgroßer Felsbrocken genau an der Stelle vorbei sauste, wo gerade noch sein Kopf gewesen war.
Bob reagierte zu langsam und wurde von einem Stein an der Schulter getroffen. Er schrie auf und taumelte gegen die Felswand. "Verdammt! Wer schmeißt da mit Steinen?"
Doch als sie nach oben starrten, war nichts zu sehen. Die Felskante lag verlassen da, keine Silhouette zeichnete sich gegen den Himmel ab.
"Könnte ein natürlicher Steinschlag sein," meinte Justus, doch der Zweifel in seiner Stimme war unüberhörbar.
"Die Hölle auch," knurrte Maggie und lud ihr Gewehr durch. "Das war kein Zufall."
In der Ferne bemerkten sie schwarze Rauchschwaden, die hinter einer Biegung des Canyons aufstiegen. Justus kniff die Augen zusammen und beobachtete den Rauch genau.
"Rauchzeichen," stellte er fest. "Könnte von Schwarzzahn-Indianern stammen."
Ein schrilles Schreien erklang in der Ferne, gefolgt von weiteren, die von allen Seiten zu kommen schienen. Die Schreie hallten von den Canyonwänden wider und vervielfältigten sich zu einem kakophonischen Chor aus Tod und Verderben.
"Sie umzingeln uns," zischte Ezekiel und zog seine Revolver. "Bleibt zusammen. Rücken an Rücken."
Die kleine Gruppe formierte sich in einem engen Kreis, Waffen nach außen gerichtet. Herry knurrte tief und bedrohlich, die Nackenhaare gesträubt, bereit zum Angriff.
"Verdammt," fluchte Bob mit zitternder Stimme. "Hätt' ich doch bloß auf meine Mutter gehört und wär' Bankangestellter geworden."
Der reißende Fluss
Der Weg führte sie weiter durch den Canyon, die Schreie folgten ihnen wie hungrige Geister. Plötzlich stießen sie auf einen schmalen Fluss, der sich durch den roten Fels schlängelte. Das Wasser glitzerte seltsam im gedämpften Licht, als wären winzige Sternfragmente darin gefangen.
"Wasser," keuchte Justus und wollte schon niederknien, um zu trinken.
"Warte!" Ezekiel packte ihn am Arm und zog ihn zurück. "Siehst du nicht, wie's glänzt? Das ist kein normales Wasser."
Am Ufer des Flusses blitzte etwas im Sand. Ein goldener Schimmer, der kurz aufflackerte und dann wieder verschwand. Keiner wagte es, danach zu greifen.

"Müssen da rüber," stellte Maggie fest und deutete auf einige große Steine, die wie eine natürliche Brücke im Flussbett lagen. "Scheint die einzige Möglichkeit zu sein."
Der Fluss, anfangs noch ruhig und friedlich, wurde mit jedem Schritt reißender. Das Wasser schäumte nun über die Steine, als würde es versuchen, sie wegzuspülen.
"Ich geh zuerst," sagte Maggie und hängte ihr Gewehr über die Schulter. Mit vorsichtigen Schritten balancierte sie über den ersten Stein, dann den zweiten.
Justus und Bob folgten ihr, während Ezekiel mit Herry am Ufer zurückblieb. Die sengende Hitze des Canyons machte das Überqueren noch mühsamer. Schweiß lief ihnen die Stirn herunter und brannte in ihren Augen.
Als Maggie, Justus und Bob die andere Seite erreichten, spürten sie es sofort – das unheimliche Gefühl, beobachtet zu werden, war hier noch stärker. Die Luft schien dichter zu sein, schwerer zu atmen, als würde sie von einer unsichtbaren Präsenz erfüllt.
"Da ist jemand," flüsterte Maggie und hob ihr Gewehr.
Doch was sie sah, ließ ihr Blut in den Adern gefrieren. Neben ihr stand plötzlich Peter, sein Gesicht noch bleich vom Blutverlust, aber seine Augen... seine Augen waren leer und tot, wie schwarze Löcher in einem wächsernen Gesicht.
Maggie schrie auf und schlug mit dem Gewehrkolben nach ihm, doch ihre Waffe ging mitten durch die Erscheinung hindurch, als wäre sie aus Rauch. Peter lachte, ein hohles, knarrendes Geräusch, und löste sich dann in Luft auf.
"Habt ihr das gesehen?" keuchte Maggie, ihr Gesicht kreidebleich. "Das war... das war Peter!"
Justus und Bob starrten sie an, als hätte sie den Verstand verloren. "Da war nichts," sagte Justus langsam. "Nur Schatten und Staub."
Ezekiel überquerte inzwischen mit Herry den Fluss. Der Hund schien die unsichtbare Präsenz zu spüren, denn er knurrte ununterbrochen, sein Blick fixierte einen Punkt direkt neben Maggie, wo Peter erschienen war.
"Der Hund spürt was," murmelte Justus. "Vielleicht... vielleicht ist hier wirklich etwas."
In der Ferne hörten sie das Rauschen eines Wasserfalls. Der Fluss vor ihnen wurde breiter und tiefer, das Wasser schäumte und gurgelte wie ein lebendiges Wesen. Sie folgten dem schmalen Pfad am Ufer, der manchmal so eng wurde, dass sie sich mit dem Rücken an die Felswand pressen mussten, um nicht ins Wasser zu stürzen.
Der Wasserfall des Grauens
Das Tosen des Wasserfalls war ohrenbetäubend, als die Reisenden den Canyon betraten. Die glatten Wände schlossen sich wie steinerne Kiefer um sie, und vor ihnen stürzte das Wasser in wilder Wut von einer hohen Klippe herab — ein endloses Dröhnen, das Herz und Verstand erzittern ließ.

Überall am Ufer, auf Felsen und im seichten Wasser, lagen Männer — zerschmettert, zerfetzt, als hätte eine unsichtbare Hand sie vom Himmel geschleudert. Manche Körper waren grotesk verrenkt, die Glieder in unnatürlichen Winkeln verdreht. Ihre Uniformen waren noch erkennbar, doch blutdurchtränkt und aufgerissen, die Gesichter eingefroren in Masken aus Schrecken und plötzlichem Schmerz.
An den Klippen über ihnen hingen noch Fetzen von Seilen und Kleidungsstücken — stumme Hinweise darauf, dass viele von oben gestoßen, vielleicht von Verrätern oder Feinden überrascht und gnadenlos in die Tiefe gejagt worden waren. Einige Leichen trieben wie leblose Puppen im aufgewühlten Wasser, andere hatten sich zwischen den Felsen verkeilt, Arme und Beine wie zum Himmel ausgestreckt, als flehten sie um Rettung, die nie kam.
Der Gestank von Blut, Erbrochenem und Tod hing in der feuchten Luft. Fliegen summten träge über den Leibern, während das Wasser unaufhörlich gegen die Ufer schlug, als wolle es die Sünden, die hier begangen worden waren, fortspülen — doch der Canyon selbst schien die Erinnerung an das Massaker mit gieriger Inbrunst zu bewahren.
Dies war kein Ort für die Lebenden. Dies war ein Altar für Verrat und Tod.
"Heilige Scheiße," flüsterte Bob und würgte, eine Hand vor den Mund gepresst. "Was zur Hölle ist hier passiert?"
Ezekiel kniete sich neben eine der Leichen, drehte sie vorsichtig um. Der Tote trug die zerfetzte Uniform eines Kavalleriesoldaten. Der Kopf des Mannes war intakt, doch wo einst sein Haar und seine Kopfhaut gewesen waren, glänzte nun der blutige, nackte Schädel im trüben Licht.
"Skalpiert," murmelte Ezekiel grimmig. "Typisch für die Schwarzzähne." Er durchsuchte die Taschen des Toten und fand einige kleine Goldnuggets. "Waren wohl auf Goldsuche."
Justus untersuchte ebenfalls die Leichen. "Diese Männer sind noch nicht lange tot. Höchstens ein paar Tage."
Plötzlich hörten sie ein schwaches Husten. Zwischen zwei Felsen lag ein weiterer Soldat, sein Gesicht bleich wie Kalk, aber seine Brust hob und senkte sich noch schwach.
"Der lebt noch!" rief Bob und wollte auf ihn zustürmen, doch Maggie hielt ihn zurück.
"Zu spät," sagte sie leise. "Sieh dir seinen Bauch an."
Der Bauch des Mannes war aufgeschlitzt, die Eingeweide quollen in einem feuchten, glänzenden Haufen hervor. Seine Augen waren glasig, unfokussiert, und Blutschaum bildete sich an seinen blassen Lippen.
Maggie kniete sich zu ihm, nahm ihm sanft seine Waffe ab und legte die Mündung an seine Schläfe. "Ruh dich aus, Soldat," flüsterte sie, bevor sie abdrückte.
Der Schuss hallte über den Wasserfall hinweg, und der Mann erschlaffte endgültig, sein Leiden beendet.
Plötzlich ertönte ein wildes Kriegsgeheul. Auf einer Klippe über ihnen tauchten zwei Gestalten auf — Indianer mit schwarz bemalten Gesichtern, Federn im Haar und Tomahawks in den Händen. Mit unmenschlicher Geschwindigkeit sprangen sie von der Klippe, landeten direkt vor der Gruppe.
Einer der Indianer stürmte sofort auf Herry los. Der Hund bellte wütend und sprang dem Angreifer entgegen, doch der Tomahawk des Indianers war schneller. Mit einem brutalen Hieb spaltete er Herrys Flanke, und der Hund fiel mit einem jämmerlichen Winseln zu Boden.
"HERRY!" brüllte Ezekiel, wild vor Zorn. Er riss seinen Revolver hoch und feuerte, doch der Indianer war unglaublich flink, wich dem Schuss aus und kam immer näher.
Maggie reagierte blitzschnell. Ihr Gewehr donnerte, und die Kugel durchschlug die Brust des ersten Indianers. Er taumelte zurück, Überraschung in seinen Augen, bevor er leblos zusammenbrach.
Der zweite Indianer heulte vor Wut und stürmte mit erhobenem Tomahawk auf Ezekiel zu. Doch Ezekiel war bereit. Mit tödlicher Präzision feuerte er beide Revolver, und der Indianer wurde von den Kugeln zurückgeworfen, sein Körper zuckte im Todeskampf, bevor er reglos liegen blieb.
Ezekiel eilte zu Herry, dessen Blut den roten Sand noch röter färbte. Der Hund atmete flach und schnell, seine Augen waren trüb vor Schmerz.
"Halt durch, Junge," murmelte Ezekiel, doch er wusste, dass es zu spät war. Die Wunde war zu tief, zu brutal.
Mit schwerem Herzen hob er den Hund auf und trug ihn zum reißenden Fluss. "Ruh dich aus, alter Freund," sagte er leise und ließ Herrys Körper in die tosenden Fluten gleiten.
Der Fluss trug den treuen Gefährten mit sich fort, wirbelte ihn kurz im Strudel, bevor er ihn verschluckte, als wäre er nie dagewesen.
Der Kaktus der Hölle
Sie setzten ihren Weg fort, nun noch vorsichtiger. Die Trauer um Herry und die Wut über die Indianer trieben sie voran. Der Canyon weitete sich schließlich zu einer offenen Fläche, die von rotbraunen Felswänden umgeben war. Die Mittagssonne stand unbarmherzig am Himmel und ließ die Luft über dem steinigen Boden flimmern.
In der Mitte dieser Lichtung ragte ein gewaltiger Kaktus empor, hausgroß und von merkwürdigen, fleischigen Lianen umwoben, die sich wie träge Schlangen im heißen Wüstenwind bewegten. Seine Stacheln waren lang wie Dolche, manche fast armlang, und glänzten metallisch im Sonnenlicht. Das Unheimlichste war, wie sie in der Hitze zu pulsieren schienen – als atmete der Kaktus.

"Bei allen Teufeln," flüsterte Bob und trat wie hypnotisiert näher. Er zog ein abgegriffenes Notizbuch aus seiner Jackentasche und begann hastig zu kritzeln. "So etwas existiert nicht in der Botanik. Das muss eine unentdeckte Spezies sein."
"Unentdeckt oder nicht, mir gefällt das Ding nicht," murmelte Justus, der seine Spitzhacke fest umklammerte. Seine Augen verengten sich, während er den Kaktus musterte. "Seht ihr die merkwürdigen Auswüchse an der Vorderseite? Sehen fast aus wie... Drüsen oder Falten."
Die Erschöpfung der letzten Tage lastete schwer auf ihnen. Ihre Kleidung war verdreckt und zerrissen, ihre Gesichter von Staub und getrockneten Blutspritzern gezeichnet. Sie hatten kaum geschlafen, einen Kameraden verloren und Schrecken gesehen, die in keinem Albtraum existieren sollten.
"Wir rasten hier kurz," beschloss Ezekiel. Seine Stimme klang rau wie Schleifpapier. Er ließ sich auf einen flachen Felsen nieder, den Rücken gegen die Felswand gelehnt, die Revolver griffbereit auf seinen Knien. Von hier aus konnte er den gesamten Platz überblicken.
Maggie nickte stumm und glitt an der Felswand hinunter, ihr Gewehr nie aus den Händen legend. Der Verband an ihrem Arm war rot durchtränkt, und ihre Bewegungen waren steifer geworden. Justus ließ sich ebenfalls nieder und lehnte seine Spitzhacke neben sich an den Felsen.
Bob hingegen konnte seine wissenschaftliche Neugier nicht zügeln. Er legte sein Notizbuch beiseite und näherte sich dem monströsen Gewächs mit vorsichtigen Schritten. "Die Struktur ist faszinierend," rief er ihnen über die Schulter zu. "Diese Lianen sind keine Parasiten. Sie scheinen tatsächlich Teil des Organismus zu sein, wie... wie Tentakel oder Fangarme."
Er streckte zögernd eine Hand aus, um eine der kleineren Lianen zu berühren. "Seht ihr, wie sie sich bewegen? Fast als würden sie auf Wärme reagieren. Sie sehen fast aus wie..."
Er kam nie dazu, den Satz zu beenden. Mit einer blitzartigen Bewegung, schneller als das Auge folgen konnte, schoss eine der Lianen hervor, dicker als Bobs Arm und mit nadelspitzen Dornen besetzt. Sie wickelte sich um sein Bein und riss ihn mit einem heftigen Ruck in die Höhe. Bob schrie auf, als er kopfüber in der Luft baumelte, sein Gesicht wurde rot vor Anstrengung und Entsetzen.
"EZEKIEL! MAGGIE! HILFE!" brüllte er, seine Stimme überschlug sich vor Panik. Weitere Lianen schnellten hervor, umschlangen seine Arme und seinen Torso, zogen ihn immer höher. Die Dornen bohrten sich durch seine Kleidung und gruben sich in sein Fleisch.
Was sie für einen Kaktus gehalten hatten, veränderte sich vor ihren Augen in eine Kreatur aus den schlimmsten Albträumen. An der Vorderseite des Kaktusleibs teilte sich die fleischige Masse mit einem feuchten Reißen, und ein gewaltiges Maul öffnete sich. Reihen über Reihen nadelscharfer, durchscheinender Zähne entblößten sich, zwischen denen eine gelbliche, klebrige Flüssigkeit hervorquoll. Ein durchdringender Gestank nach verrottenden Kadavern und süßlicher Fäulnis strömte aus dem Schlund des Wesens.
"Gottverdammte Scheiße, das Ding will ihn fressen!" schrie Maggie und riss ihr Gewehr hoch, zielte auf die Basis einer der Lianen, die Bob festhielten.
Justus reagierte instinktiv, sprang auf und schleuderte seine Spitzhacke mit aller Kraft auf den Kaktus. Das Werkzeug traf die fleischige Masse, blieb aber stecken wie in zähem Teig. Eine grünliche Flüssigkeit trat aus der Wunde, doch das Monstrum schien den Schmerz kaum zu bemerken.
Mit einem tiefen, gurgelnden Laut zog der Kaktus Bob immer näher an sein klaffendes Maul. Die Lianen pressten seinen Körper zusammen, und dunkles Blut sickerte aus Dutzenden kleiner Wunden, wo sich die Dornen in sein Fleisch bohrten.
Im selben Moment, als Maggie abdrücken wollte, brach die Hölle los.
Wie aus dem Nichts tauchten sechs Indianer am Rand der Lichtung auf, ihre Körper mit schwarzer und roter Kriegsbemalung verziert, ihre Gesichter hinter grotesken Masken aus Knochen und Federn verborgen. Sie mussten seit ihrer Ankunft gelauert haben, hatten nur auf den perfekten Moment gewartet – den Augenblick, in dem die Eindringlinge abgelenkt und verwundbar waren.
"Hinterhalt!" brüllte Ezekiel und wirbelte herum, seine Hand flog zum Holster.
Die sechs Indianer stellten sich in einer Linie auf, ihre Muskeln spannten sich an, während sie rhythmisch ihre Tomahawks schwangen und ihre Füße im Takt auf den staubigen Boden stampften. Die Narben auf ihren Körpern glänzten im Sonnenlicht – eingeritzte Muster, die den Symbolen ähnelten, die sie in der Mine gesehen hatten.
Gemeinsam stießen sie einen schrillen Kriegsschrei aus, der durch Mark und Bein drang. Der Klang hallte von den Canyonwänden wider, verstärkt zu einem ohrenbetäubenden Chor.
"Verfluchter Mist," keuchte Justus, seine Hände zitterten leicht, als er nach dem Revolver an seinem Gürtel griff. "Bob ist so gut wie verloren, und diese Bastarde haben uns in der Zange."
Ezekiel erkannte sofort, dass er eine unmögliche Entscheidung treffen musste. Der Kaktus würde Bob in Sekunden verschlingen, während die Indianer jeden Moment angreifen konnten. Seine Hand glitt in seine Satteltasche und umfasste die rauen Stangen Dynamit, die er aus der Mine mitgebracht hatte.
Doch bevor er handeln konnte, stürmten die Indianer vor, ihre Bewegungen von unnatürlicher Geschwindigkeit und tödlicher Präzision. Ihre Füße berührten kaum den Boden, als würde ein unheimlicher Zauber sie tragen.
Maggie's Gewehr krachte, und einer der Angreifer wurde zurückgeworfen, ein faustgroßes Loch in seiner Brust. Ezekiel zog beide Revolver, riss sie hoch und feuerte in rascher Folge. Die Kugeln fanden ihr Ziel, doch die Indianer bewegten sich wie Schatten, wichen aus, näherten sich unaufhaltsam.
Justus duckte sich unter dem Schwung eines Tomahawks hindurch, die Luft wurde aus seinen Lungen gepresst. Er feuerte seinen Revolver aus nächster Nähe ab, und der Indianer taumelte zurück, sein Gesicht eine Maske aus Überraschung und Schmerz.
Der Kampf tobte chaotisch um sie herum. Ezekiel kämpfte mit der Kaltblütigkeit eines Mannes, der dem Tod schon oft ins Auge geblickt hatte. Jeder seiner Schüsse war bedacht, jede Bewegung ökonomisch. Zwei weitere Indianer fielen unter seinem gezielten Feuer.
Maggie kämpfte wie eine Besessene, ihr Gewehr als Distanzwaffe und Keule zugleich einsetzend. Ein Tomahawk streifte ihre Schulter, durchschnitt den Stoff ihrer Jacke und hinterließ eine klaffende Wunde. Doch der Schmerz schien ihre Wut nur anzufachen.
Währenddessen war Bob dem gierigen Maul des Kaktusmonsters nur noch Zentimeter entfernt. Seine Schreie waren verstummt, sein Gesicht eine Maske aus Resignation und Entsetzen. Ein dunkler Fleck breitete sich in seiner Hose aus, als sein Körper die letzte Kontrolle verlor.
Ezekiel erkannte, dass er keine Zeit mehr hatte. Mit einer fließenden Bewegung riss er drei Dynamitstangen aus seiner Tasche, band sie hastig zusammen und entzündete die Lunte mit einem schnellen Streichholzstrich.
"RUNTER!" brüllte er Maggie und Justus zu.
Mit aller Kraft schleuderte er das Dynamitbündel in hohem Bogen direkt auf den Monsterkaktus. Die Lunte zischte, ein kleiner, heller Stern in der Luft, bevor das Bündel direkt neben der Basis des Ungeheuers landete.
Für einen Sekundenbruchteil schien die Zeit stillzustehen. Die Indianer hielten in ihrem Angriff inne, ihre Augen auf das zischende Dynamit gerichtet. Der Kaktus bewegte einige seiner Lianen in Richtung der Bedrohung, zu spät erkennend, was es war.
Die Explosion zerriss die Luft mit brutaler Gewalt. Eine Druckwelle fegte über den Platz, warf Maggie und Justus zu Boden und ließ selbst Ezekiel taumeln. Ein ohrenbetäubendes Krachen hallte von den Canyonwänden wider, verstärkt zu einem schier unerträglichen Donner.
Der Kaktus zerbarst in einer grotesken Fontäne aus grünlichem Schleim und fleischigen Fetzen. Die Lianen peitschten wild umher, wie bei Todesqualen, ihre Bewegungen immer schwächer werdend. Bob verschwand in einem grausigen Regen aus Kaktusfleisch und seinem eigenen Blut – zerrissen durch die Explosion und die zuckenden Tentakel.
Der Boden war mit einer übel riechenden Masse bedeckt, durchsetzt mit pulsierenden Gewebestücken, die noch immer zuckten, als hätten sie ein Eigenleben. Dampf stieg aus der grünlichen Flüssigkeit auf, die wie ätzende Säure den Boden versengte.
Die verbliebenen Indianer wurden von Kaktustrümmern getroffen, taumelten benommen zurück. Zwei von ihnen lagen bereits bewegungslos am Boden, zerfetzt von Kaktustrümmern und der Explosion.
Ezekiel nutzte diesen Moment des Chaos. Er erhob sich, beide Revolver erhoben, und feuerte mit tödlicher Kaltblütigkeit. Seine Kugeln fanden mit unfehlbarer Genauigkeit ihr Ziel – Kehle, Auge, Herz. Zwei weitere Indianer fielen, ihre Körper schlaff wie Marionetten mit durchschnittenen Fäden.
Maggie taumelte auf die Beine, Blut rann über ihr Gesicht aus einer Platzwunde an der Stirn. Mit einem Kampfschrei schwang sie ihr Gewehr wie eine Keule und schmetterte es auf den Schädel eines angreifenden Kriegers. Knochen splitterten mit einem widerlichen Knirschen, und der Indianer sackte leblos zusammen.
Der letzte verbliebene Indianer stürmte mit einem verzweifelten Kriegsschrei auf Ezekiel zu, seinen Tomahawk hoch über dem Kopf schwingend. Die Klinge blitzte tödlich im Sonnenlicht.
Ezekiel wartete, seine Muskeln gespannt wie Stahlfedern. Er ließ den Indianer näher kommen, seine Augen kalt und ruhig. Als der Krieger zum tödlichen Schlag ausholte, zog Ezekiel blitzschnell, drehte sich leicht zur Seite und feuerte.
Die Kugel durchschlug die Stirn des Indianers, trat in einem Schauer aus Blut und Knochensplittern am Hinterkopf wieder aus. Für einen Moment schien der Krieger noch zu stehen, seine Augen weiteten sich in ungläubigem Erstaunen. Dann brach er zusammen, sein Körper fiel schwer wie ein gefällter Baum, der Tomahawk klapperte nutzlos über den steinigen Boden.
Als die Stille sich über den Ort des Gemetzels senkte, waren nur das leise Tropfen von Kaktussaft und das Knistern der brennenden Überreste zu hören, untermalt vom schweren Atem der Überlebenden. Dann durchschnitt ein schwaches Stöhnen die Stille.
"Bob?" Justus' Kopf ruckte herum. "Bei Gott, das ist Bob!"
Zwischen den zuckenden Überresten des Kaktus, teilweise bedeckt von grünlichem Schleim und Trümmern, lag Bob. Durch ein unglaubliches Wunder hatte eine der Lianen ihn im letzten Moment zurückgeschleudert, bevor die Explosion den Kaktus zerriss. Sein Körper war übersät mit blutenden Wunden von den Dornen, sein linkes Bein verdreht in einem unnatürlichen Winkel, aber er lebte.
Ezekiel und Justus eilten zu ihm, zogen ihn vorsichtig aus den glitschigen Überresten des Monsters. Bob stöhnte vor Schmerz, sein Gesicht kreidebleich unter dem Schmutz und Blut.
"Hab's... erwischt," murmelte er schwach, ein blutiger Schaum bildete sich in seinen Mundwinkeln. "Die... verdammte Pflanze..."
"Halt still," befahl Maggie und kniete sich neben ihn. Mit geübten Händen untersuchte sie seine Verletzungen. "Mehrere Rippen gebrochen, wahrscheinlich innere Blutungen, das Bein ist übel zugerichtet."
"Wird er's schaffen?" fragte Justus, Sorge verzerrte sein sonst so analytisches Gesicht.
"Wenn wir ihn schnell versorgen und die Stacheln keine Gifte hinterlassen haben," antwortete Maggie. Sie zog Verbandsmaterial aus ihrer Tasche und begann Bobs schwerste Wunden zu behandeln. "Reiß dein Hemd in Streifen," wies sie Justus an. "Wir müssen das Bein schienen."
Während sie an Bob arbeiteten, stöhnte er immer wieder leise, fiel zeitweise in die Bewusstlosigkeit und kam dann mit einem gurgelnden Husten wieder zu sich. Blut sickerte durch die hastig angelegten Verbände.
"Das hält nicht lange," murmelte Maggie Ezekiel zu. "Er braucht mehr Hilfe, als wir hier geben können."
Ezekiel nickte grimmig. Sie hatten Bob dem Tod entrissen, aber ob er überleben würde, stand auf einem anderen Blatt.
